Ludwigshafen

Festival des deutschen Films Mit „Murot und das Murmeltier“ sowie „Mein erster Mord“ laufen zwei kriminalistische Produktionen im Wettbewerb um den Filmkunstpreis

Merkwürdige Ermittler mit kuriosen Methoden

Archivartikel

Die Krimiform ist längst vielfältig geworden, zuweilen dient das Genre nur noch als Vorwand für Experimente, seien es nun literarische oder cineastische. Mittlerweile gilt das selbst für einige öffentlich-rechtliche Fernsehproduktionen, deren Verantwortliche ansonsten ja nicht gerade bevorzugt gegen eingeübte Seherfahrungen verstoßen. Dem trägt auch das Ludwigshafener Festival des deutschen Films Rechnung und präsentiert zwei ziemlich unkonventionelle kriminalistische Produktionen sogar im Wettbewerb um den Filmkunstpreis.

Die eine davon entstammt einer Reihe, die hier ohnedies einen festen Platz hat – dem ARD-„Tatort“ und genauer jener Filmfolge mit dem Wiesbadener BKA-Kommissar Murot, die das Festivalteam deshalb schätzt, weil sie das Sendeformat regelmäßig an seine Grenzen bringt. Hier hat man schon einen „Tatort“ in blutrünstig-stilisierter Tarantino-Art gesehen, ein amerikanisches Vorbild steht auch im jüngsten Fall „Murot und das Murmeltier“ Pate. Hauptdarsteller Ulrich Tukur kämpft mit einem ähnlichen Schicksal wie Bill Murray in Harold Ramis’ Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“: Jeden Morgen steht er auf, um in der Folge den selben Tag erneut zu erleben.

Wesentlicher Unterschied

Einen wesentlichen Unterschied gibt es aber im von Dietrich Brüggemann in Szene gesetzten „Tatort“: Sein Murot versucht nicht nur stets erneut, aus den immergleichen Umständen auszubrechen, er bemüht sich auch, die vermeintlich schon geträumten Erlebnisse – Kriminaler mit Leib und Seele, der er ist – für seine Ermittlungen zu nutzen. Zu einem Banküberfall werden er und seine von Barbara Phillips gespielte Mitarbeiterin gerufen. Dessen Umstände sind so kurios, wie es die Murot-Reihe ohnedies nahelegt. Das Bestreben des Kommissars ist es, alles unblutig zu Ende zu bringen, was aber mehrfach misslingt. Somit kämpft Murot auch gegen den eigenen Ruf, wurden im Murot-Film „Im Schmerz geboren“ doch die bislang mit Abstand meisten „Tatort“-Todesopfer gezählt. Und der Film hat einmal mehr die Genregesetze zum Gegner, etwa die, sich nicht zu wiederholen und auf Spannung zu setzen. Kurzweilig und vergnüglich ist er freilich dennoch.

Angeblicher Wohltäter

Das gilt kaum weniger für die ZDF-Produktion „Mein erster Mord“, in der unter Regie von Rainer Kaufmann zwei sehr unterschiedliche Brüder ermitteln. Witz und Ironie haben hier sowohl in der Gesamtanlage wie in zahlreichen Details einen Platz. Die Zusammenarbeit der eigentlich entzweiten Brüder geschieht auch keineswegs planvoll. Der von Devid Striesow gespielte Andreas Schwartz ist ein windiger Privatdetektiv, während sein jüngerer Bruder Mathias (Golo Euler) als recht biederer Kriminalbeamter daherkommt.

Doch erst gemeinsam, mit sehr unterschiedlichen, oft fragwürdigen Methoden gelingt es den beiden, einem von Ulrich Noethen gespielten angeblichen Menschheitshelfer auf die Schliche zu kommen. Einige Kriminaler sind hier nicht unbedingt die Guten, und auf welcher Seite Andreas anzusiedeln ist, bleibt ohnedies lange offen. Den konventionellen Genregesetzen folgt hier (fast) nur, dass am Anfang ein Todesfall steht, den es aufzuklären gilt. Ob es ihre Unkonventionalität aber schon rechtfertigt, einem der beiden Filme den Filmkunstpreis zu verleihen? Das ist noch einmal eine andere, keineswegs kriminalistische Frage.