Ludwigshafen

Justiz Gutachter bescheinigt Verteidigungsabsicht

Messerstich doch nur Notwehr?

Frankenthal/Ludwigshafen.Die Beweisaufnahme im Verfahren gegen eine 49-jährige Ludwigshafenerin am Landgericht Frankenthal ist mit letzten Zeugenvernehmungen und den Gutachten der Sachverständigen beendet worden. Der Angeklagten wird zur Last gelegt, im März 2019 ihrem damaligen Lebensgefährten ein Küchenmesser in den Oberschenkel gestochen zu haben, woraufhin dieser verblutete. Die Gerichtsmedizinerin sprach in ihrem Gutachten von einem „gewissen Kraftaufwand“, der für den tödlichen Messerstich nötig gewesen sei, der bis zum Knochen ging: „Eine aktive Stichbewegung war nötig.“ 2,6 Promille Alkohol wurden bei dem Opfer festgestellt sowie Spuren von Amphetamin und Cannabis. Die Täterin hatte etwa 1,9 Promille und noch niedrigere Spuren der Betäubungsmittel im Blut.

Urteil könnte am Dienstag fallen

Ein Stammkunde des Lokals, in dem Angeklagte und Opfer vor der Tat waren, bezeugte das aggressive Verhalten des Mannes nach Alkohol- und Drogenkonsum. Einmal soll er zu der 49-Jährigen gesagt haben: „Wenn du mich nicht rein lässt zu Hause, bringe ich dich um.“

Die Beweisführung endete mit dem psychiatrischen Gutachten, in dem der Sachverständige von einem bedingten Tötungsvorsatz sprach. Er zeichnete das Bild einer durchschnittlich begabten Frau, die sich um ein geordnetes Leben bemüht, aber in „Stress- und Konfliktsituationen reizbar und aggressiv ist, besonders unter Alkohol- und Drogenkonsum.“ Ihre Gedächtnislücken seien „wenig plausibel“, dennoch attestierte er ihr keine Angriffssituation, sondern eine Verteidigungssituation. Er sprach von Notwehr und zeigte Parallelen zu früheren Vorfällen auf, wo er ein „Konfliktlösungsmuster mit Messer“ erkannte. „Ich, Gott und der Gestorbene können das beweisen“, betonte auch die Angeklagte nochmals, dass sie in Notwehr gehandelt habe. An diesem Montag werden die Plädoyers erwartet, am Dienstag könnte das Urteil fallen. 

Zum Thema