Ludwigshafen

Festival des deutschen Films II Darsteller Johann von Bülow ist mit gleich drei Produktionen in Ludwigshafen vertreten

Musik als Ausgleichssport zur Schauspielerei

Archivartikel

Johann von Bülow eilt auf der Parkinsel von Filmvorführung zu Publikumsgespräch zu Interview. In gleich drei Werken ist der Schauspieler in diesem Jahr auf dem Filmfestival zu sehen. Ein straffes Programm, das der 45-Jährige mit einer souveränen Ruhe absolviert. Genau wie das Fan-Foto mit einer Frauengruppe am Roten Teppich.

Nicht jeder mag mit dem Namen Johann von Bülow etwas anfangen können, aber viele Fernsehzuschauer kennen sein markantes Gesicht. Dabei zog es den Münchner nach der Ausbildung auf der Otto-Falckenberg-Schule zunächst ans Theater. „Mit Anfang 20 hatte ich die etwas naive Vorstellung, dass Theater das einzig Wahre ist“, erzählt er. „Ich habe dann aber instinktiv gemerkt, dass mir das Filmemachen auf eine absurde Weise leichter fällt. Die Kamera bemerkt von alleine, was da ist. Beim Theater ist es gerade als Anfänger schwierig, herauszufinden, wie deutlich man sein muss.“

1995 drehte der Jung-Schauspieler seinen ersten Film. Und der wurde gleich ein Überraschungserfolg: „Nach Fünf im Urwald“ machte Darsteller wie Franka Potente oder Axel Milberg plötzlich bekannt, heute ist die 90er-Jahre-Komödie fast so etwas wie ein moderner Klassiker. Johann von Bülow spielte darin den WG-Bewohner Nick – der Beginn seiner Filmkarriere, auch wenn ihm das zu dem Zeitpunkt vielleicht noch nicht bewusst war. „Ich habe beim Drehen schon gemerkt, dass das eine Superarbeit ist. Aber ich habe noch nicht begriffen, dass das so ein Erfolg werden konnte.“

In Ludwigshafen läuft unter anderem der Fernsehfilm „Herr und Frau Bulle“. Von Bülow spielt darin mit Alice Dwyer ein ungleiches Ermittler-Paar: Sie ist die harte Polizistin, er ihr Mann, einfühlsamer Psychologe und Fallanalytiker – eine schillernde Figur, wie er findet. Auch wenn es an Krimis im Fernsehen nicht mangelt: Der 45-Jährige ist glücklich mit diesem Format – auch weil es sich nicht so ernst nehme. „Den Charme macht eher das Zwischenspiel der Charaktere aus.“

Eine besondere Rolle ist auch der skrupellose Familienvater, den von Bülow in „Rufmord“ spielt: Der zettelt eine Schmutzkampagne gegen die Lehrerin seines Sohnes an. Der wahre Hintergrund dafür bleibt im Verborgenen – vielleicht, weil sie ihn abblitzen ließ? Von Bülow verleiht der Figur geschickt sowohl Härte als auch Zerbrechlichkeit. „In Wahrheit ist das die Geschichte zweier Menschen, die unter anderen Umständen auch Liebende hätten sein können“, findet er.

Auch als Sänger auf der Bühne

Auch als Sänger steht Johann von Bülow auf der Bühne – wenn auch eher selten. Musik, sagt er, sei sein Ausgleichssport. Womit man dann noch bei seinem entfernten Verwandten wäre: Loriot alias Vicco von Bülow war ebenfalls ein großer Musiker, und beide haben gemeinsame Vorfahren.

In Loriots letzten Lebensjahren standen Johann und Vicco regelmäßig in Kontakt. Ob er gerne einmal mit dem legendären entfernten Verwandten gedreht hätte? „Ich denke, daran hätte ich großen Spaß gehabt – an der Art, nicht locker zu lassen“, sagt er. „Er hat sich ja mit musikalischer Genauigkeit mit Sprache beschäftigt.“