Ludwigshafen

„Stille in der Stadt“ Wandelkonzert im Wilhelm-Hack-Museum / 14 Instrumentalisten an vier Stationen

Musik als Brücke beflügelt die Fantasie

Archivartikel

Ludwigshafen.Wer an diesem frühen Abend die Pforten des Hack-Museums durchschreitet, mag noch den Trubel, die Hast und Hektik eines Berufstages mit im Gepäck haben. Eine innere Spannung, die sich im lebhaften, dynamischen Spiel des Musikschul-Sextetts spiegelt, das in der Ausstellung „Bild und Blick“ Astor Piazzollas wunderbaren „Libertango“ spielt. Zuvor leiten die Kunstvermittlerinnen Theresia Kiefer und Ursula Dann in einige Exponate ein, und Angela Bauer, Leiterin der Musikschule, führt in das Schaffen des argentinischen „Tango nuevo“-Schöpfers Piazzolla ein.

„Wir selbst nehmen auch teil an der Verwandlung“, erläutert Ursula Dann mit Blick auf Carlos Cruz-Diez’ „Physichromie“-Arbeit, die sich mit Bewegung und Perspektive des Betrachters verändert. „Es hat auch eine Art Rhythmik“, stellt die Expertin eine Verbindung zwischen Musik und Bildender Kunst her.

Die Besucher aus dem Alltag in die Ruhe, in die innere Einkehr zu geleiten und dabei neue Blickwinkel auf die Kunst zu ermöglichen – dieses Konzept haben seine Macherinnen dem Wandelkonzert zugrunde gelegt. Es ist Teil des Projekts „Stille in der Stadt“, einer Veranstaltungsreihe des protestantischen Kirchenbezirks mit mehreren Partnern.

„Inseln der Stille mitten in der Stadt und im eigenen Leben“ zu entdecken, geschieht auch beim Wandelkonzert-Gang durch die Museumsräume, in denen 14 Instrumentalisten der Musikschule – zehn Schüler und vier Lehrer – an vier Stationen musizieren.

Im Mittelalterraum erklingt Reinhard Huucks „Arioso“ andachtsvoll auf drei Trompeten; in der Station „Ein offenes Fenster“ werden Mozart und Walter Reins „Ich hab die Nacht geträumet“ mit feinsinnigen Streichern zu Gehör gebracht. Zum Schluss, im „Weißen Raum“, spielt Frederik Knoblauch seelenvoll das erste aus Strawinskys drei Solostücken für Klarinette, während Ballerina Anthea Prüfer eine behutsame Tanz-Choreografie zeigt.

„Ich fand es eine sehr gelungenen Kombination“, sagt Besucherin Ute Nick, nachdem der Applaus für die Veranstaltung verklungen ist. „Das waren Stücke, die ruhig sind und zum Nachdenken einladen“, fügt ihr Mann Bernhard Nick hinzu. „Es ist eine Brücke, wenn man erläuternde Worte erhält, das beflügelt die Fantasie auf eine andere Weise“, erläutert die Ludwigshafenerin. „Wenn man oft durch ein Museum schlendert, nimmt man sich nicht die Zeit, wirklich stehenzubleiben. Nun merkt man plötzlich, wie sich ein Bild verändert, wenn man längere Zeit drauf schaut.“ In diesem Sinn vertieft das Wandelkonzert auch den Blick des Besuchers.