Ludwigshafen

Innenstadt Staatsphilharmonie und Ensemble des Mannheimer Capitols begeistern auf Berliner Platz

Musik, die Grenzen überwindet

Archivartikel

Ludwigshafen.Mit feinsinnig wogender Verve und geschmeidiger Eleganz spielen die Musiker Schostakowitschs „Walzer Nr. 2“. Eine Frau in mittleren Jahren dreht dazu mit ihrem elektrischen Rollstuhl rhythmische Runden vor der Bühne auf dem Berliner Platz. Daneben beginnt eine junge Passantin mit ihrem Kinderwagen zu den Klängen des Sparkassen Open Air Walzer zu tanzen. Ihr Partner lacht und reicht ihr die Hand – und das Mädchen im Wagen schaut den beiden mit großen staunenden Augen zu. Bis sich das Publikum am Ende des Abends von den Plätzen erhebt, um lautstarken Applaus zu spenden, werden die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und die Musiker des Mannheimer Capitols am Voreröffnungsabend zum Ludwigshafener Stadtfest für viele weitere erinnerungswürdige Momente sorgen. Etwa mit Sebastian Henzls furiosem Beethoven-Brückenschlag „Andante con Tekkno“, bei der klanggewaltigen Adaption des Faithless-Hits „Insomnia“ für Orchester und Band, oder mit BAPs entschlossen rockendem Gegen-Rechts-Fanal „Kristallnaach“.

Blick auf Berliner Mauer

„Hinterm Horizont“ lautet der Titel der Veranstaltung mit thematisch-musikalischem Blick auf den Fall der Berliner Mauer, der sich 2019 zum 30. Mal jährt. Mithin werden auch Werke von Künstlern zu Gehör gebracht, die aus der ehemaligen DDR stammen – Nina Hagen, die Puhdys, City. Die Staatsphilharmonie unter Leitung von Ernst Theis musiziert dabei zusammen mit vier Gesangsolisten des Capitol-Ensembles – Marion La Marché, Katja Friedenberg, Sascha Kleinophorst und Daniel Würfel – sowie vier Mitliedern der Capitol-Band. Letztere sind zugleich allesamt Absolventen der Mannheimer Popakademie. Selten, wirklich selten, erlebt man, dass sich ein klassischer Klangkörper und ein Pop- und Rock-musikalisches Ensemble derart gut verzahnen: Es ist ein Auftakt nach Maß für das Stadtfest – und der stößt auch auf rege Resonanz. Die 1200 Sitzplätze sind gefüllt, dazu kommen viele weitere Besucher auf und rund um den Platz. „Wir gehen von 2000 Zuschauern aus“, sagt Stefan Tielkes, Leiter der Abteilung Stadtmarketing bei der Ludwigshafener Kongress-und Marketing-Gesellschaft Lukom.

„Es war Wahnsinn“, wird Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck am Ende resümieren, „der Applaus spricht für sich“. „Eine kongeniale Kombination“ sieht Thomas Traue, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Vorderpfalz, in der mittlerweile dritten Open-Air-Kooperation der Ensembles.

Eingangs kann die OB noch einen besonderen Gast auf der Bühne begrüßen: Zakir Farajov, ihr Amtskollege aus Ludwigshafens Partnerstadt Sumgait. „Es lebe die Freundschaft zwischen Ludwigshafen und Sumgait“ und „Es Lebe die Freundschaft zwischen Deutschland und Aserbaidschan“, bekräftigt er. Ein Konzertabend im Geiste Grenzen überwindender, gemeinschaftlicher Freundschaft – dazu schließt auch die letzte Zugabe die Klammer: die Europahymne, Beethovens „Ode an die Freude“.

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