Ludwigshafen

Musikroman von Johannes Hucke und Uwe Frey: Jugendträume an Blauer Adria

Archivartikel

Ludwigshafen.Sie sind beseelt von Musik, berauschen sich an Alkohol und Drogen und erfahren letztlich, wie wichtig Freundschaften sind. Im Sommer nach dem Schulabschluss, kurz bevor das Leben richtig beginnt, erleben die Jugendlichen an einem Baggersee an der Blauen Adria eine intensive Zeit - zwischen Inspirationen und Wahnvorstellungen. Die Lebenswelt der Heranwachsenden vor etwa 40 Jahren in der Region um Ludwigshafen fängt das Buch „Der Schatten wird länger“ nicht nur mit Texten von Johannes Hucke ein. Es bietet auch eine Besonderheit: Dank zwölf QR-Codes, die per App auf dem Smartphone oder PC-Tablet abgerufen werden, können die Leser in die Klangwelt der damaligen Zeit eintauchen. Die Songs komponierte Uwe Frey, der 1977 in Neuhofen die Band Sansara gegründet hatte.

„Ein solch kombiniertes Buch mit Text und Musik ist in Deutschland zumindest sehr selten, möglicherweise sogar das erste dieser Art“, erläutert Hucke das außergewöhnliche Werk. Literarisch ist der Sozialpädagoge schon lange versiert. Er verfasste bereits gut 20 Bücher, darunter Weinführer, Krimis und andere Romane etwa mit Bezügen zu Frankfurt und Mannheim. Mit Frey verbinden ihn einige gemeinsame Projekte. Sie schrieben bereits drei Musicals mit Jugendlichen in den Hauptrollen. Die Produktion „In Arcadia“ wurde vor gut zehn Jahren im Theater im Pfalzbau aufgeführt.

Den Gedanken an einen Musik-Roman hegten die beiden indes seit Längerem. „Wir hätten statt dem Buch auch wieder ein Musical schreiben können. Dafür hätten wir aber etwa 70 Darsteller und Musiker gebraucht. Es wäre schwierig geworden, so viele Mitwirkende für eine längere Zeit bei der Stange zu halten“, begründet Frey das literarische Vorhaben. Dazu schrieb der 57-Jährige, der über eine große musikalische Erfahrung verfügt, binnen weniger Monate Lieder für Gitarren und Gesang, aber ohne Schlagzeug.

Für die Musikbeträge im 206 Seiten starken Buch verwendete er auch Probeaufnahmen der Band Sansara, die sich nach einem Begriff aus der indischen Mythologie über Tod und Wiedergeburt benannt hatte. Ihre Proberäume hatte die Gruppe in einem ehemaligen Bunker an der Ludwigshafener Maxstraße.

Einige Aufnahmen aus jener Zeit sind erhalten gebleiben und nun über die QR-Codes abrufbar. „Die Leser sollten dabei Kopfhörer verwenden, dann wird das Klangerlebnis intensiver“, empfiehlt der Komponist.

Die meisten Szenen in dem Buch spielen indes rund um die Schlicht bei Neuhofen. Mit meist kurzen Sätzen treibt Hucke die Handlung voran und beschreibt wortreich die Gedankenwelt der vier Freunde Yves, Merkatz, Nina und Marie. Dabei nahm er einige Erinnerungen Freys auf, die für die damalige Zeit typisch waren. „Es war auch politisch eine wilde Zeit“, berichtet der 57-Jährige. Gleichwohl konnten sich Jugendliche auch an einem Rheingönheimer Hefeweizen („Es war früher ein Kultgetränk“) laben. Den Hunger stillten viele mit Leberwurstbroten und Gurkenscheiben. Weit verbreitet war damals das Zigarren-Rauchen, erinnert sich Frey. Manche hingen idealistischen Träumen nach, andere wussten noch nicht so recht, was ihnen im Leben wichtig war.

Daran hat sich bei der heutigen Jugend nicht viel geändert, sagt Hucke, der seit zwei Jahrzehnten als Sozialarbeiter tätig ist. Seine Erfahrungen fließen auch bei seinem nächsten literarischen Projekt ein. „Es soll ein Ludwigshafen-Roman werden“, kündigt er an. Dabei denkt er aber nicht an historische Geschichten. Vielmehr will er einen anderen Schwerpunkt setzen: „Mir liegt die soziale Thematik mehr am Herzen, etwa unter dem Motto leben und leben müssen.“