Ludwigshafen

Reformationsfeier Kunstwerk zum 125-jährigen Bestehen der Apostelkirche

Neue Sichtweisen auf Jesus

Archivartikel

Ludwigshafen.Wer die Apostelkirche in der Rohrlachstraße betritt, sieht sich mit einem Fremdkörper konfrontiert: Schwarz und wuchtig steht der „Intruder“ inmitten des Kirchenschiffs. Geschaffen hat ihn Michael Volkmer, Bildhauer aus dem nordpfälzischen Winnweiler. Anlass ist das 125-jährige Bestehen der Kirche. Warum der „Eindringling“ ins Gotteshaus kam, erläuterte Thomas Erne bei seiner Predigt zum Reformationstag: „Wir sollten unseren Blick schärfen und auf jenes Bild richten, das in der Mitte steht.“

„Kreativität ist nötig“

Damit spielte der Mainzer Theologie-Professor und Direktor des EKD-Instituts für Kirchenbau auf Jesus mit seinen Jüngern beim Abendmahl an. Auf dieses Element laufen in der Apostelkirche sämtliche Linien zu, die Mittelachse bilden die Besucher. Ein brachiales Hindernis zwischen den Stuhlreihen, zumal axial gedreht, sorge bewusst für Irritation – und für eine neue Sichtweise auf Christus. Hier schließe sich der Kreis zum Reformationstag, an dem die Vergewisserung des Glaubens eine zentrale Rolle spiele, bestätigte Dekanin Barbara Kohlstruck.

Dass es die Kirche in Ludwigshafen nicht leicht hat, machte Erne auch an der steigenden Zahl an Austritten fest. Nur noch jeder fünfte Ludwigshafener sei evangelisch, im Viertel um die Apostelkirche gar nur vier Prozent. „500 Jahre nach Luthers Reformation droht der Protestantismus zur Minderheit zu werden“, beklagte der Theologe und rief als Vorbild den Oggersheimer Pfarrer Johann Georg Bickes ins Gedächtnis, der Anfang des 20. Jahrhunderts „seine Ideen auf den Marktplatz trug“.

Kreativität sei wieder vonnöten. In Thüringen, wo 500 der 4500 Gotteshäuser dauerhaft geschlossen sind, gebe es neue Nutzungsformen von der „Gesundheitskirche“ bis zum Zuhause für Bienen. Seinen stimmungsvollen Höhepunkt fand der Gottesdienst in der Apostelkirche mit dem Schlusslied „Der Mond ist aufgegangen“.

Der „Intruder“ ist bis zum 18. November zu sehen: werktags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr (und zu den Gottesdienstzeiten). Mit seinem Kunstwerk möchte Volkmer den Raum neu erlebbar machen. Aufgrund der Platzierung im hinteren Bereich sieht der 53-Jährige einen angenehmen Nebeneffekt: „Der Intruder bringt die Besucher nach vorn!“

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