Ludwigshafen

Wettbewerb Elf Sechstklässler aus Ludwigshafen messen sich im Vorlesen

Niklas überzeugt mit „Krabat“

Ludwigshafen.Sorgfältig wägt die 13-jährige Mariama Jobe, wo sie ihr Kreuzchen machen will. Ihr Kugelschreiber kreist über den verschiedenen Punktzahlen. Sie überlegt – auch, weil sie weiß, wie aufgeregt die Teilnehmer sind. Schließlich gehörte sie im vergangenen Jahr selbst zu ihnen. Jobe gewann im Vorjahr den Stadtentscheid Ludwigshafen des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels für Sechstklässler hier in der Stadtteil-Bibliothek in Oppau. Nun ist sie Teil der Jury, die darüber entscheidet, wer in diesem Jahr als Sieger am Bezirksentscheid Pfalz antreten darf.

In zwei Runden lesen die sechs Mädchen und fünf Jungen, die Ludwigshafener Gymnasien, Realschulen und Gesamtschulen besuchen, jeweils zwei Minuten lang vor. In der ersten Runde dürfen sie die Textstellen aus ihren Lieblingsbüchern aussuchen und vorbereiten. Die Bandbreite reicht von Klassikern wie Tolkiens „Hobbit“ bis zu Jugendbüchern über Pferde oder Spukhäuser.

Nach der ersten Runde zieht sich die Jury zur Beratung zurück. „Es ist total komisch, jetzt mit zu entscheiden“, meint Jobe. Sie erinnert sich gut, wie aufgeregt sie im vergangenen Jahr war. Jetzt werden Punkte besprochen, die die Juroren für die Lesetechnik und den Vortrag vergeben haben.

In der zweiten Runde lesen die Jungen und Mädchen abschnittsweise aus dem Buch „Nacht über Frost Hollow Hall“ von Emma Carroll. Die Nervosität, die manchen Kindern in der ersten Runde noch anzumerken war, haben sie abgelegt. Rund 30 Zuhörer haben sie an diesem Nachmittag: Eltern, Freunde, teilweise sind ganze Familien gekommen, um ihr Kind zu unterstützen. Zurecht stolz filmen sie die Auftritte ihrer Schützlinge.

Harry-Potter-Fan setzt sich durch

Nach rund zwei Stunden und der Vergabe von Urkunden sowie Buchpräsenten an alle Teilnehmer kommt der Moment der Entscheidung. Gewonnen hat der elfjährige Niklas Peter aus Fußgönheim. Er besucht die sechste Klasse des Carl-Bosch-Gymnasiums. Auf die Frage, ob er gerne lese, meint er ganz lässig: „Ich habe alle Harry-Potter-Bände in zwei Monaten geschafft“. Für den Entscheid hatte er sich jedoch einen anderen „Zauberlehrling“ ausgesucht und aus Otfried Preußlers Buch „Krabat“ vorgelesen. „Das lesen wir ab nächster Woche auch in der Schule“, erzählt er.

Doch deswegen hätte er das Buch nicht gewählt, vielmehr sei es ihm im Haus seiner Großeltern in die Hände gefallen. Zum Lesen mache er es sich am liebsten im Bett oder am Schreibtisch bequem, denn „da ist es schön hell zum Lesen“, berichtet der Schüler, der in seiner Freizeit sonst noch gerne Karate macht und Trompete spielt.

Für den Elfjährigen geht es in einem Monat weiter zum Bezirksentscheid, der in der Stadtbibliothek stattfindet. Und Jurorin Mariama Jobe? Sie ist sehr zufrieden mit der Entscheidung. „Niklas hat richtig gut vorgelesen“, bewertet sie.