Ludwigshafen

Soziales Diskussion mit Fachleuten und Ministerin über Pflege

„Notstand wird sich verschärfen“

Archivartikel

Ludwigshafen.Über das Thema Pflege diskutierten bei einer SPD-Veranstaltung im Rathaus Fachleute aus der Praxis mit der rheinland-pfälzischen Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). „In Ludwigshafen haben wir ein Netzwerk in diesem Bereich aufgebaut, um Lösungen zu finden“, sagte Sozialdezernentin Beate Steeg. „Wir haben zu wenig Fachkräfte. Zudem werden Mitarbeiter krank, weil das bürokratische System sie unter Druck setzt. Für das Auftragen einer Wundsalbe braucht man zum Beispiel ein ärztliches Attest. Der Notstand wird sich verschärfen“, sagt Sabine Pfirrmann, Geschäftsführerin der Ökumenischen Sozialstation. „Die Pflegekräfte müssen sich in mehreren Bereichen auskennen und dabei Seelsorger sein. Sie sind die Schnittstelle zwischen Familie, Arzt und Apotheke.“

„Die Pflegeberufe sollten mehr Wertschätzung erfahren, auch bei den Führungskräften“, meinte Alexandra Gräfin von Rex, Pflegedirektorin des Klinikums Ludwigshafen. Laut Jürgen Stephan, Pflegedienstleiter des DRK-Pflegeheims Melm, gehört „die Menschlichkeit in die Pflege hinein und die Kommerzialisierung hinaus“. Auch in der ambulanten Pflege gebe es Engpässe.

Bätzing-Lichtenthäler bezeichnete die Pflege als zentrales Zukunftsthema. Eine Säule für eine gute Pflege sei die Beratung der Angehörigen. In Rheinland-Pfalz gebe es 135 Beratungsstellen. Die Ausbildung soll laut Ministerin gefördert und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Auch das Image der Pflege brauche eine Aufbesserung.

„Die Pflege ist ein Menschenrecht, jedem muss der Anspruch auf Qualität gewährt sein. Eine Zwei-Klassen-Pflege darf es nicht geben“, meinte Pfarrer Albrecht Bähr, stellvertretender Vorsitzender der Pflegegesellschaft Rheinland-Pfalz. „Wir finden nicht genügend Pflegekräfte, doch das Problem ist nicht nur die Bezahlung, sondern auch das Image. Wenn etwas schiefgeht, folgt sofort ein Shitstorm durch alle Medien. Auch die Kapitalisierung des Gesundheitsmarktes ist ein großes Problem“, so Bähr. Dieses Thema beschäftigt vor allem die Gewerkschaft.

„Die Krankenhäuser stehen unter Druck, schwarze Zahlen schreiben zu müssen, und sparen am Personal. Helfen könnte eine Personaluntergrenze“, sagte Verdi-Vertreter Frank Hutmacher, der einen flächendeckenden Tarifvertrag für alle Pflegeeinrichtungen fordert. kge