Ludwigshafen

Soziales Fastenbrechen im Sufi-Zentrum mit der Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne)

„Respekt und Neugier wichtig“

Ludwigshafen.Gemeinsam auf den Sonnenuntergang warten, um dann das Fastenbrechen zu begehen – dies tun Muslime derzeit täglich, weil der Fastenmonat Ramadan noch bis zum 4. Juni dauert. Im Sufi-Zentrum „Harmonie der Herzen“, einem gemeinnützigen islamischen Verein, nahm die rheinland-pfälzische Ministerin für Integration, Anne Spiegel (Grüne), jetzt am Fastenbrechen teil.

„Im Christentum heißt es: Liebe deinen Nächsten, im Islam: Sei fürsorglich zu deinen Mitmenschen. In beiden Religionen geht es um Liebe, um Harmonie der Herzen“, sagte Bayram Türkoglu, Vorsitzender der türkischen Gemeinde Rhein-Neckar, zur Begrüßung.

Eine Prüfung für die Menschen

„Beim Ramadan geht es um die Disziplinierung des eigenen Triebes und darum, Arme und Hungrige zu verstehen. Wir Muslime leben seit mehreren Generationen hier, Deutschland ist zu einer zweiten Heimat geworden,“ so Türkoglu. „Islam verstehe ich als miteinander leben und andere respektieren. Dem Koran nach sind die Unterschiede zwischen den Menschen eine Prüfung, miteinander zurechtzukommen“, erklärte Gerd Rebler von der Royal Ottoman Society, zu der das Sufi-Zentrum Ludwigshafen gehört. Unter Sufismus versteht man eine Jahrhunderte alte Strömung innerhalb des Islam, in der es um Askese, Mystik und Philosophie geht.

Nach den Begrüßungen, den Darbietungen der Musiker und einem eindrucksvollen Tanz eines Derwisches ergriff kurz vor Sonnenuntergang die Ministerin das Wort, um das gemeinsame Fastenbrechen zu eröffnen. „In Rheinland-Pfalz leben 150 000 Muslime. Sie bilden die drittgrößte Religionsgemeinschaft. Für uns im Ministerium ist es selbstverständlich, dass der Islam zu Deutschland gehört, denn im Grundgesetz ist das Recht auf Gleichbehandlung aller religiösen und weltanschaulichen Glaubensrichtungen verankert“, sagte Anne Spiegel. „Vorbehalte gegen Muslime sind sehr verbreitet, die Islamfeindlichkeit ist eine Bedrohung des Zusammenlebens. Unser Ziel ist ein Diskurs und ein Verständigungsprozess. Islamische Vereine wie der Sufi-Verein tragen zum gegenseitigen Verständnis bei. Es ist wichtig, sich mit Respekt und Neugier zu begegnen.“

Das Ministerium für Integration habe vor einigen Jahren Gespräche mit islamischen Verbänden aufgenommen, um vertragliche Regelungen zur Zusammenarbeit zu treffen, so die Ministerin. Diese Verhandlungen führe die Landesregierung derzeit nicht weiter.

„Doch wir wollen keinen Stillstand und haben uns mit den islamischen Verbänden geeinigt, einen Zielvereinbarungsprozess zu starten, der Maßnahmen zur Integration des Islams voranbringen soll.“ Dazu zählt beispielsweise die Weiterentwicklung des islamischen Religionsunterrichts an Schulen.