Ludwigshafen

Sicherheit Jugend von Feuerwehr und Rettungskräften probt bei gemeinsamer Übung den Umgang mit Verletzten

Ruhe bewahren und helfen

Archivartikel

Ludwigshafen.Ein Waldarbeiter sitzt vor einer Lache aus Theaterblut. Neben ihm liegt – täuschend echt – eine abgesägte Hand. Er schreit panisch, als die Rettungskräfte mit Blaulicht ankommen: „Helft mir! Kommt zu mir!“ Bei dem gestellten Arbeitsunfall sollen die jungen Helfer üben, unter Stress zu arbeiten. Die vermeintlich Verletzten sind Berufssanitäter. „Sie kennen die realen Situationen bestens und wissen genau, was Einsatzkräfte am Unfallort ablenken kann“, erklärt Patrick Weiß, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit beim Technischen Hilfswerk (THW) in Ludwigshafen: „Die Rettungskräfte müssen am Unfallort oft erst ihr eigenes Adrenalin runterfahren und konzentriert eines nach dem anderen tun“, erklärt er.

In etlichen Szenarios trainieren die jungen Rettungskräfte bei dieser Übung ihre Fertigkeiten. Die Jugendgruppen der Freiwilligen Feuerwehr, des THW, des Arbeiter-Samariter-Bunds und der Johanniter arbeiten an den Übungsorten zusammen. „Man kann mit den Jugendlichen Theorie machen, so viel man will – es geht nichts über die Praxis“, sagt Patrick Weiß.

Beobachter vor Ort

Die meisten Nachwuchshelfer, die bei der Übung im Einsatz sind, haben schon einen Schein als Rettungssanitäter oder Sanitätshelfer gemacht. Viele der beteiligten Feuerwehrmänner haben bereits eine von drei „Jugendflammen“ vom Land abgenommen bekommen. Die Hilfsorganisation wünschen sich, dass die jungen Leute nach ihrer Ausbildung ins aktive Ehrenamt wechseln oder eine Berufsausbildung machen, erzählt Weiß. Denn es mangelt an Nachwuchs.

Bei der 24-Stunden-Übung haben die Einrichtungen heute schon einen Verkehrsunfall, einen Unfall mit Platzwunde, eine Tierrettung und einen allergischen Schock simuliert. In der Nacht soll ein großer Brandunfall in Oppau nachgeahmt werden. „Die Übungsszenarios sind realitätsnah geplant“, sagt Einsatzleiter Bernd Wilhelm. Wie Profis legen die jungen Retter einem Unfallopfer, das von Holzstämmen getroffen wurde, eine Nackenstütze an. „Man kann nicht wissen, ob die Wirbelsäule verletzt ist“, erklärt Patrick Weiß. Der offene Bruch am Bein wird mit Polstermaterial verbunden, der geschwächte Kreislauf kontrolliert, die Vitalfunktionen gemessen. Die Rettungskräfte schützen die Opfer zudem vor der direkten Sonne. „Die Einsatzkräfte sollen den Zustand der Verletzten stabilisieren, bis der Notarzt eintrifft. Sie sprechen den Verletzten zu, damit kein Schock eintritt“, so Weiß: „Die Beobachter vor Ort, die selbst im aktiven Ehrenamt sind, werden die Übung nachbereiten und bewerten.“

„Ich bin beim Rettungsdienst, weil ich andere Leute unterstützen will“, sagt die 19-jährige Madeleine May. Linus Adam wiederum schätzt an der Feuerwehr vor allem, in Gesellschaft seiner Freunde zu sein. „An der Übung gefällt mir, dass sie so realitätsnah ist. So wird sie für uns zur Herausforderung, die uns nicht unterfordert.“

Die Angst, sich nicht richtig zu verhalten, verlieren die Jugendlichen mit dem Training. „Diese Angst ist häufig auch der Grund dafür, dass Passanten weglaufen, anstatt zu helfen. Es tritt ein Fluchtinstinkt ein“, erklärt Weiß. „Unsere Jugend dagegen wird sich im Ernstfall richtig verhalten und Erste Hilfe leisten.“