Ludwigshafen

Hochstraße Süd Verzögerung wegen gravierender Schäden / Abriss der Hochstraße Nord verschiebt sich auf 2023

Sanierung soll Mitte 2020 starten

Archivartikel

Ludwigshafen.Massive Betonrisse, Korrosion an den Fahrbahn-Fugen und vor allem starke Schäden an den Spanngliedern – dies sind die Hauptgründe, warum die Sanierung der Hochstraße Süd viel aufweniger und teurer wird als gedacht. „Bei der Tragfähigkeit bestehen gravierende Defizite“, sieht Heinz-Josef Vieth vom Ingenieurbüro Krebs und Kiefer (Karlsruhe) dringenden Handlungsbedarf. Mit einer einfachen Instandsetzung ist es aber beileibe nicht getan. Auf einem 500 Meter langen Abschnitt zwischen Adenauer-Brücke und Abfahrt Heinigstraße muss – grob gesagt – eine neue Brücke unter das alte Bauwerk errichtet werden.

Damit verschiebt sich der gesamte Zeitplan zur Sanierung der beiden Hochstraßen. Voraussichtlich erst Mitte 2020 sollen die Arbeiten an der Hochstraße Süd beginnen und Ende 2022 abgeschlossen sein, erklärte gestern Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck bei einer Sondersitzung des Stadtrats.

Vorplanung bis Herbst

Da die Verbindung als Umleitungsstrecke für die Hochstraße Nord fungiert, wird sich auch der Start an der „Nordbrücke“ verzögern. Ende 2021 könnten vorbereitende Maßnahmen wie der Abbruch des Würfelbunkers und der Teilabriss des Rathaus-Centers beginnen, erläuterte Steinruck den erneut modifizierten Zeitplan. Der Abriss der Hochstraße Nord soll Ende 2023 beginnen.

„Wir haben dabei einen Puffer von einem Jahr zwischen beiden Großprojekten eingebaut“, meinte Baudezernent Klaus Dillinger. „Im Jahr 2030 soll dann alles fertig sein“, so seine Prognose. Seit 2000 habe die Stadt rund 57 Millionen Euro für die Verkehrssicherheit der beiden Hochstraßen ausgegeben.

Wie teuer die Sanierung der Hochstraße Süd letztlich wird, kann Kämmerer Dieter Feid nicht beziffern. „Dafür müssen wir erst das Ergebnis der Vorplanung abwarten, die im Herbst vorliegen soll. Der Betrag wird aber erheblich höher als die geschätzten 25 Millionen Euro.“ Auch auf Nachfragen wurde Feid nicht konkreter: „Jede Zahl wäre reine Spekulation, denn diese Brückenkonstruktion ist einzigartig.“

Eine Vollsperrung der Hochstraße Süd werde während der Sanierung nur an wenigen Wochenenden nötig, erklärte Steinruck. Der angrenzende Verkehr werde indes beeinträchtigt – dies soll aber abwechselnd auf der Mundenheimer- und Berliner Straße geschehen. Der Straßenbahnverkehr soll indes möglichst ohne Behinderungen laufen. Die Schäden an der Hochstraße Süd seien nicht früher erkennbar gewesen, ergänzte der Baudezernent. Bei der letzten Hauptprüfung 2012, die alle sieben Jahre notwendig ist, seien keine gravierenden Risse feststellbar gewesen. Mehrere Alternativen mit Stützen, Querträgern oder seitlichen Wänden haben die Planer bei der Sanierung der Hochstraße Süd erörtert und verworfen – aus technischen Gründen oder wegen baulicher Gegebenheiten in der engen Innenstadtlage.

Unterdessen muss sich die Stadt auch auf Mehrkosten bei der Hochstraße Nord einstellen – um 22 auf 310 Millionen Euro. Die gesetzlich verbindlichen Honorare seien um 15 Prozent gestiegen, zudem seien Leistungen der externen Projektsteuerung zu Buche geschlagen, sagte der Kämmerer. „Dies sind alles nicht förderfähige Kosten, die die Stadt selbst übernehmen muss.“

Gleiches gilt für die Aufwendungen zum Grunderwerb und zur Entschädigung für den Teilabriss des Rathaus-Centers. Beide Ausgaben sind laut Kämmerer beim bisherigen Kostenrahmen nicht einberechnet – weil die Höhe der Zusatzkosten noch nicht bekannt seien.

Bislang hatte der Bund für die Hochstraße Nord einen Festbetrag von 154 Millionen Euro signalisiert, das Land einen Betrag von 64 Millionen Euro. Das kann laut Feid nicht das letzte Wort sein: „Die Mehrkosten kann die Stadt nicht allein tragen. Deshalb wollen wir die Gespräche noch mal aufnehmen.“

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