Ludwigshafen

Landgericht 22-Jähriger wegen Körperverletzung verurteilt / „Mit Kleinkindbetreuung überfordert“

Schmerzensgeld verhängt

Ludwigshafen.Der Tatvorwurf wog schwer: Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen musste sich ein 22-Jähriger vor dem Landgericht Frankenthal verantworten. Ihm wurde zur Last gelegt, die damals dreijährige Tochter seiner Ex-Freundin geschlagen und gebissen zu haben. Nach einem Täter-Opfer-Ausgleich beließ es die Richterin bei einer Verwarnung mit Strafvorbehalt. Zudem muss der Angeklagte Schmerzensgeld an das Kind zahlen.

Nachdem sich die Verfahrensbeteiligten im Sitzungssaal eingefunden hatten, zogen sie sich schon bald wieder zurück. Nach 45-minütiger Beratung berichtete die Vorsitzende Richterin Iris Blankenhorn, dass Anklage, Verteidigung und Nebenkläger ihre Bereitschaft zur Verständigung im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs signalisiert hätten.

Der Angeklagte aus Ludwigshafen hat ein beträchtliches Vorstrafenregister, wenngleich er den Großteil der Drogendelikte als Jugendlicher begangen hat. Vor Gericht zeigte sich der Hilfsarbeiter, der demnächst eine Ausbildung beginnt, kooperativ und tateinsichtig, was das Gericht zu seinen Gunsten wertete, ebenso wie die Tatsache, dass dem kleinen Mädchen eine Aussage erspart blieb.

Dreijährige geschlagen

Verhandelt wurden mehrere Vorfälle aus dem Herbst 2018. Während seine damalige Lebensgefährtin in der Gastronomie in der Spätschicht arbeitete, oblag dem Angeklagten die Betreuung der dreijährigen Tochter, die aus einer früheren Beziehung stammt. Bis dahin sei sein Verhältnis zu „Momo“, wie das Kind ihn nannte, stets liebevoll gewesen, versicherte die Kindesmutter. Was in den folgenden Tagen geschah, beschreibt das rechtsmedizinische Gutachten als typische Verletzungen durch Beißen sowie Schläge auf Gesäß und Oberschenkel.

Dabei folgte das Gericht der Beteuerung des Angeklagten, nicht aus feindseliger Absicht gehandelt zu haben. Auch habe es kein sexuelles Motiv gegeben. Nach Ansicht der Kammer war der Mann mit der Betreuung eines Kleinkinds überfordert, erschwert durch die Arbeitszeiten der Lebensgefährtin. Aufmerksam auf die Verletzungen wurde die Tagesmutter, die Jugendamt und Kinderschutzbund auf den Plan rief.

Ein bewusstes Quälen des Kindes konnte das Gericht nicht erkennen, so dass eine Verurteilung wegen Körperverletzung erfolge. Die Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro wurde zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der Angeklagte 1600 Euro Schmerzensgeld ans Kind zahlen und ein Antiaggressionstraining absolvieren.