Ludwigshafen

Bildung Jugendliche des Theodor-Heuss-Gymnasiums betreiben Einrichtung / Besuch von Lebensmittelkontrolleur

Schüler-Café in Eigenregie

Ludwigshafen.Schüler der zwölften Klassen des Theodor-Heuss-Gymnasiums üben sich in der Gastronomie. Dabei handelt es sich um eine kleine Einrichtung, nämlich das schuleigene Café „Heusschen“, das in einem Klassenzimmer untergebracht ist. Aber Hygienevorschriften gelten überall dort, wo Lebensmittel den Besitzer wechseln. Damit alles sauber läuft, bekam die Kerntruppe von zehn Schülern Besuch von Karl-Josef Leibig, Lebensmittelkontrolleur bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen.

„Wenn ihr zu Hause ein Haar im Essen findet, was macht ihr?“, fragte Leibig die Schüler. „Rausholen, weiteressen“, so die Antwort. „Genau, davor ekelt man sich nicht. Findet man jedoch ein Haar im Essen im Restaurant, sieht es mit dem Ekel gleich ganz anders aus.“ Auf informative, aber auch amüsante Weise stellte Leibig sein Berufsbild vor. „Wie sieht meine Arbeit aus? Betriebskontrolle, Probennahme und Verwaltungshandeln.“

Erlös kommt Abiball zugute

Das klang erst einmal sehr theoretisch, aber Leibig führte einige Beispiele auf. „Wir kontrollieren alle Betriebe, auch Bäcker, Metzger, Großküchen und sogar Landwirte. Beim Bauern darf in der Scheune das Traktor-Öl nicht direkt neben dem Tierfutter stehen. Und im Fitness-Studio prüfen wir die Power-Riegel.“

Das Berufsbild des Lebensmittelkontrolleurs sei sehr vielseitig, an manchen Tagen müsse man sogar den Seelsorger spielen, wenn ein Schicksalsschlag einen Ladeninhaber getroffen habe und dieser dann die Hygiene vernachlässige. Manchmal komme es hart auf hart, und der Kontrolleur brauche Polizeischutz, wenn ein Zugriff auf einen Betrieb erfolgt, dessen Besitzer die Kontrolle verweigert. „Die Gesetze für Gewerbe sind streng, aber euer Café ist kein Gewerbe, sondern ein Schulprojekt. Da sind gesetzlichen Ansprüche weniger hoch“, erklärte Leibig.

Achten müssen die Schüler aber darauf, dass leicht verderbliche Ware immer gekühlt bleibt. „Was macht ihr daheim mit einem Joghurt mit abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatum? Kurz dran riechen, ob er noch nicht umgekippt ist und dann essen. Im Café geht das nicht. Das Mindesthaltbarkeitsdatum muss beachtet werden, dann ist man gesetzlich auf der sicheren Seite.“ Ziel des Vortrags war es, den Schülern zu vermitteln, dass sie bewusster an die Arbeit im „Heusschen“ dran gehen.

„Die Idee für das Schulcafé besteht schon länger, im vergangenen Jahr wurde sie endlich umgesetzt. Finanziert wurde das Projekt durch einen Spendenlauf“, sagte Jens Jourdan, zweiter stellvertretender Schulleiter. Das Café hat dienstags und donnerstags geöffnet, jeweils ab der sechsten Schulstunde. Eine Erweiterung der Öffnungszeiten sei nicht ausgeschlossen.

„Die Schüler machen ihre Aufgabe sehr gut. Manchmal geht etwas schief, und sie lernen, mit den Konsequenzen umzugehen“, so Lehrerin Bettina Horn, die mit ihrem Kollegen Andreas Fath das Projekt leitet. „Der Erlös fließt in die Finanzierung des Abiballs, das motiviert!“