Ludwigshafen

Hemshof Apostelkirche feiert 125. Jubiläum / Kirchenpräsident Christian Schad hält Festpredigt

„Schutzraum und Herberge“

Archivartikel

Ludwigshafen.Die älteste protestantische Kirche Ludwigshafens feiert ein stolzes Jubiläum. „Fast auf den Tag genau, am 28. Oktober 1894, fand die Einweihung der Apostelkirche statt“, sagte Christian Schad, Präsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, in seiner Festpredigt anlässlich des 125. Geburtstages des Gotteshauses im Hemshof. Die Kirche wurde 1892 bis 1894 nach Plänen des Architekten Johannes Otzen im Stil der Berliner Backsteingotik gebaut. Das Abendmahlrelief im Altarraum zeigt Christus und die zwölf Apostel und fungiert als Namensgeber. Zwei Weltkriege und zwei Explosionsunglücke hat der Bau überstanden, wie Schad betonte.

Er riss kurz die Geschichte des Gotteshauses an und nannte es eine „Gegenwelt zu der Industrieumgebung, einen Schutzraum und eine Herberge“. Schad erinnerte an die unzähligen Taufen und Abendmahle, die in den 125 Jahren in der Kirche zelebriert wurden, und fragte: „Wie viele Nickerchen wurden während der Predigten gehalten?“

Kunst des Innehaltens

Schad sprach von einer sabbatlichen Kultur des Sonntags, in der der Mensch wieder zu sich selbst finden solle – „es ist die Kunst des Innehaltens“. Die Handhaltung der Christusfigur deutete er als eine zweigeteilte Geste: „Ich will euch eine Pause sein, eine Unterbrechung des Alltags.“ Dies sei gerade in der heutigen Zeit wichtig. Er erinnerte an die erschreckenden Bilder und erwähnte insbesondere die auch verbale Gewalt gegen jüdische und ausländische Mitbürger. Die evangelische Kirche stehe für eine humane Kultur, sie habe ein tiefes seelsorgerisches Interesse und damit etwas „Konversionsversöhnendes“.

Schad erwähnte auch das 1902 gebaute Schwesternhaus, das als Gemeindehaus dient: „Seit 25 Jahren gibt es jeden Werktag eine warme Suppe“. Die Kirche und das Gemeindehaus gehörten zusammen, es herrsche eine Kultur des Helfens. Dabei hob er besonders die Flüchtlingshilfe hervor.

Die Fürbitten drehten sich ebenfalls um die Kirche, die für die Gemeinde und Bürger immer ein offenes Haus bleiben soll. Der Festgottesdienst war der Auftakt der Festwoche „Jona feiert“, die sich am Mittwoch mit einer Buchvorstellung von Pfarrer Stefan Bauer – der mit Pfarrerin Kerstin Bartels die Liturgie leitete – zur Apostelkirche fortsetzt. Am Donnerstag steht um 19 Uhr die Reformationsfeier auf dem Programm und am Samstag, 2. November, findet von 18 bis 23 Uhr die lange Nacht der Lichter und Impulse aus Taizé statt. Der Gottesdienst am 3. November mit Kirchencafé bildet den Abschluss der Festwoche. 

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