Ludwigshafen

Auszeichnung Fünf Ludwigshafener Schüler erhalten Albert-Schweitzer-Preis / Ehrung für besonderes soziales Verhalten

Selbstloser Einsatz als Streitschlichter

Archivartikel

Ludwigshafen.Sara Ismael senkt verlegen den Kopf, als sie den Albert-Schweitzer-Preis aus den Händen der Kirchendekanin Barbara Kohlstruck im Turm 33 entgegennimmt – eine Geste der Bescheidenheit. Als die Dekanin begründet, weshalb sie Ismael aus den Kandidaten ausgewählt hat, lächelt diese doch ein bisschen stolz. Ihre Mimik und die der anderen vier jungen Preisträger verrät keine Spur von Eitelkeit. Dass die fünf Schüler wie Albert Schweitzer Bodenhaftung an den Tag legen und sich selbst nicht so wichtig nehmen, zeigt sich in ihrem Handeln.

Schweitzer lehrte, dass das Streben nach dem eigenen Fortkommen nicht glücklich macht: „Erfolg ist nicht der Schlüssel zum Glück. Glück ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Nach einem schwierigen Start als schlechter Schüler schaffte er es bis zum Theologieprofessor. Doch er verzichtete auf den Ruhm, studierte mit 30 Jahren noch Medizin und arbeitete bis zu seinem Lebensende als Arzt in Afrika. „Der Kirchenbezirk und das Religionspädagogische Zentrum vergeben den Preis deshalb nicht für das beste Zeugnis, sondern für gute Leistungen im sozialen Bereich“, sagt Kohlstruck.

Eigene Interessen hinten anstellen

„Die eigenen Interessen stoßen auf Interessen anderer. Man muss Kompromisse schließen und Rücksicht nehmen“, sagt sie. Das Verhalten der fünf geehrten Schüler geht über bloße Kompromisse hinaus. Sie sind für andere da und unterstützen deren Interessen. Sara Ismael führt Mediationsgespräche an der Karolina-Burger-Realschule mit Schülern, die Streit miteinander haben. „Am häufigsten sind es grobe Beleidigungen. Ich rede mit beiden Schülern und frage, wie es dazu kam“, erklärt sie. „Das Ziel ist, dass sie sich vertragen, die Fehler einsehen und eine Eskalation beim nächsten Mal vermeiden.“

Denise Schneider von der Adolf-Diesterweg-Schule sei als Streitschlichterin bekannt, sagt sie über sich selbst: „Ich höre mir beide Sichtweisen an. Meistens kann ich schlichten. Wenn die Jungs aus meiner Klasse laut werden, kommt es schon mal vor, dass ich einen Schrei loslasse.“ Ayleen Enuloe, die für ihre Mitarbeit bei der Stärkung des Klassenverbands ausgezeichnet wird, hält es für wichtig, im Streit wenig drastische Ausdrücke zu verwenden: „Ich bin freundlich und respektvoll, auch wenn es mir nicht gut geht.“

Besonders rührend ist das Engagement von Yara Hellmuth, die sich für Schüler mit Behinderung an der Integrierten Gesamtschule Gartenstadt einsetzt. „Die Schüler sind genau wie wir. Ich fordere meine Mitschüler dazu auf, das anzuerkennen“, sagt sie. Adem Teke wird für seine Hilfe in Deutschkursen geehrt.