Ludwigshafen

Landgericht Frankenthal Angeklagter wegen Rauschgiftdelikten zu sieben Jahren und acht Monaten Haft verurteilt / Vorsitzender Richter ordnet Therapie an

„Sie haben ein massives Drogenproblem“

Frankenthal.„Kamikazemäßig“ habe sein Mandant die Drogengeschäfte betrieben, sagte Verteidiger Steffen Kling. Dabei sei ihm bewusst gewesen, dass er auffliegen werde. Genauso ist es auch gekommen: Im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen andere mutmaßliche Drogen-Delinquenten war die Polizei dem 35-Jährigen auf die Spur gekommen. Gestern musste er sich am Frankenthaler Landgericht verantworten.

Sieben Jahre und acht Monate Haft lautete dort der Richterspruch, den die Zweite Strafkammer gegen den Angeklagten verhängte. Außerdem ordnete sie eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. „Sie haben ein massives Drogenproblem“, erklärte der Vorsitzende Richter Karsten Sauermilch dem Angeklagten bei der Urteilsverkündung. „Sie müssen in eine Therapie. Und die wird nicht einfach werden.“

Die Liste der Verfehlungen des 35-Jährigen ist lang: Er hat sich nach Überzeugung des Gerichts unter anderem des unerlaubten Erwerbs, Herstellens und Handeltreibens mit Betäubungsmitteln schuldig gemacht, außerdem gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz verstoßen. Laut Anklage soll er zwischen Februar und April dieses Jahres ein Kilogramm Marihuana gekauft und zum größten Teil weiterveräußert haben.

Auch Waffen gefunden

Außerdem soll er zwei Liter Amphetamin-Base erworben und daraus zehn Kilogramm Amphetamin hergestellt haben – welches er demnach gleichfalls zum überwiegenden Teil weiterverkaufte. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden weitere Drogen bei dem Ludwigshafener gefunden – Marihuana, Amphetamin, MDMA, Ecstasy-Tabletten und Kokain – außerdem Waffen wie etwa ein Schlagring, diverse Messer und eine funktionsfähige Maschinenpistole samt Patronen.

Der 35-jährige hatte die Anklageschrift durch eine Erklärung seines Verteidigers „voll umfänglich“ eingeräumt. Vorausgegangen war ein Rechtsgespräch zwischen den Prozessbeteiligten, bei dem das Gericht ihm im Falle eines Geständnisses eine Haftstrafe in Aussicht gestellt habe, die sieben Jahre nicht unter- und neun Jahre nicht überschreiten werde, so der Vorsitzende.

Ein Sachverständiger hatte dem 35-Jährigen eine „Polytoxikomanie“ – eine Mehrfachabhängigkeit – attestiert und eine Therapiedauer von zwei Jahren empfohlen. Staatsanwalt Kai Ankenbrand hatte auf acht Jahre Gesamtfreiheitsstrafe plädiert, Verteidiger Kling strebte sieben Jahre an. „Was jetzt daraus wird, hängt von Ihnen ab“, schärfte Sauermilch dem Angeklagten ein, der strafrechtlich bereits mehrfach – auch einschlägig – in Erscheinung getreten ist und eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. mav