Ludwigshafen

Kultur Theaterstück „Ein himmlischer Auftrag“ des Internationalen Mitarbeiterclubs der BASF feiert Premiere

Sintflut mit glücklichem Ende

Archivartikel

Ludwigshafen.Susi hätte perfekt in das „There must be an Angel“-Musikvideo der Band Eurythmics aus dem Jahr 1985 gepasst. Mit ihrem Lächeln, ihrem Wallehaar und ihrer Kleidung sah sie der Frontfrau Annie Lennox schon sehr ähnlich. Die Musik lief als Vorspann zum neuen Stück der Theatergruppe im Internationalen Mitarbeiterclub der BASF – der Komödie „Ein Himmlischer Auftrag“.

Ihre großen Flügel aus dem noch vor der Bühne stattfindendem Gespräch mit Petrus hätte Susi bei ihrem Flug auf die Erde anbehalten sollen, jedenfalls krachte der „Engel zweiten Grades, vorübergehend im Außendienst“, wie sie sich vorstellte, scheppernd und polternd in die Wohnung des Herrn Noah.

Der sollte nun ein zweites Mal die biblische Arche bauen, so der irdische Auftrag des Engelchen. Nach ein paar tausend Jahren hat der Himmel mal wieder die Nase voll von der Menschheit. „Wir wischen mal neu durch und drücken den Reset-Knopf“, so die Aufgabe des himmlischen Boten: Also eine neue Sintflut, „ein netter kleiner Weltuntergang“, wie sie es ihm erklärt.

Petrus ist Holländer

Vor tausenden Jahren hat Noah ja schon mal die Arche gebaut, das Engelchen hat gleich die alten Pläne von damals mitgebracht. Nur hat sie sich wohl in der Tür geirrt, denn der heutige Herr Noah heiß Herbert mit Vornamen: „Ich bin Schriftsteller und kein Zimmermann, ich kann die zehn Gebote kommentieren, aber kein Schiff bauen.“ Doch er lässt sich überreden und baut die Arche, denn die Sintflut ist ja schon bestellt: Dass das mit glücklichem Ende schief geht, war zu erahnen.

Susi, das Engelchen, heißt mit richtigem Name Petra Kollmann und spielt die Rolle mit einer solchen Überzeugung, dass jeder wohl gerne mit ihr die Arche gebaut hätte. Mit Hingabe und Leidenschaft ist sie dabei. Und Petrus ist Holländer, Tieme Tijms kann seine Herkunft sprachlich nicht verleugnen, seine sonore Stimme zeigt Wirkung: Am Ende des Stücks könnte man glauben, dass der echte Petrus tatsächlich Holländer ist.

Mit Hans Fritzius ist eine weitere Starbesetzung geglückt, doch man hätte ihm manchmal ein wenig mehr Temperament gewünscht. Erika Schimmelberg hat massig davon, sie ist die Haushälterin und wird leidenschaftlich von Beate Bushnell gespielt: Als sie in der Verführungsszene ihren Gürtel zieht, hält es keinen Zuschauer mehr auf seinem Sitz.

Als Regisseur wirkte Joachim Seega, der den Applaus gleich doppelt verdiente: Denn er spielt im Stück den queeren TÜV-Prüfer Gernot Raubein, ein „Rasseweib im Männerkostüm“, wie ihn die Haushälterin Schimmelberg beschreibt. Und dann wären da noch die Zollbeamtin Maria Rickenthal (Anita Grossmann) und die Tier- und Naturschützerin Claudia Rothe (Anne Rase), deren Ähnlichkeit mit einer fast gleichnamigen Politikerin perfekt gelungen ist. Der bayerische Polizist Walter Pierchler wird vom Schweizer Urs Germann gespielt, der bei den Proben für die erste Sintflut gesorgt hatte, wie Seega verriet: „Wir hatten sintflutartige Tränen gelacht, als der vom Bayerischen ins Schweizerdeutsche abrutschte.“

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