Ludwigshafen

Ferienprogramm 14 Kinder entwickeln Schattentheater-Stück im Wilhelm-Hack-Museum

Spiel mit Witz, Herz und Begeisterung

Ludwigshafen."Wo fliegen wir hin?", lässt die neunjährige Erzählerin Giulia die Stimme des Affen vernehmen. Das Krokodil kann darauf zwar keine Antwort geben, aber es weist darauf hin, dass der mit Milch befüllte Flugzeugtank fast leer ist und die alte Maschine damit begonnen hat, merkwürdige Piep-Geräusche von sich zu geben. Die Flugzeugsilhouette, die sich dunkel auf der weißen Bühnen-Leinwand abzeichnet, beginnt die Nase zu neigen und zu trudeln; kurz darauf finden sich die tierischen Passagiere, die von Larissa, Giulia, Pietro und Luis im Wilhelm-Hack-Museum zum emsigen Schattentheater-Leben erweckt werden, im Wasser wieder -schwimmend, aber unversehrt.

Zusammen mit zehn weiteren Kindern zwischen acht und zwölf Jahren nehmen die Vier am Herbstferienprogramm des Museums namens "Licht und Schatten - Ein magisches Theater" teil. Unter Leitung des aus Indonesien stammenden und in Berlin wohnhaften Künstlers Herlambang Bayu Aji haben die Kinder hierbei ihre eigenen Schattenspiel-Figuren und Requisiten angefertigt. Und auch die Geschichte des Stücks, das sie heute Mittag vor ihren Eltern, Familien und Freunden im Hack-Museum aufführen werden, haben sie geschrieben. Genauer gesagt: "Es gab drei Gruppen mit drei Geschichten", präzisiert der zwölfjährige Niklas. "Bayu hat uns etwas vorgespielt mit seinen eigenen Figuren. Und wir sollten uns dazu eine eigene Fortsetzung überlegen."

Kinder mit allen Freiheiten

Die Vorgeschichte handelt davon, dass die Tiere - darunter ein vegetarisch lebendes Krokodil - ihre Heimat auf der Insel Borneo verlassen mussten, nachdem der Wald durch Palmöl-Plantagen verdrängt worden war und sie dadurch ihren Lebensraum verloren haben.

Die Kinder seien völlig frei in der Gestaltung gewesen, erläutert Herlambang Bayu Aji, der mit seiner Kunst in der Tradition des indonesischen "Wayang"-Figurentheaters steht. Mit wie viel Fantasie, Witz, Herz und ansteckender Begeisterung die Jungen und Mädchen hierbei zur Tat geschritten sind, beweisen sie bei einer Vorab-Vorführung: Dabei lassen sie etwa das Flugzeug am schiefen Turm von Pisa vorbeischrammen und bescheren diesem eine zusätzliche 20-Grad-Neigung. Sie sorgen dafür, dass die Tiere aus einem Zoo befreit werden oder durch eine verlassene Mine in einem "Ort voller Bilder und Kunstwerke" Zuflucht finden - dem Hack-Museum. Auch die eingangs geschilderte Handlung findet ein glückliches Ende: Die Schattenspiel-Protagonisten erreichen Land und werden von den dort alteingesessen Tieren herzlich aufgenommen - samt einer großen Willkommensparty.

Der Förderkreis des Museums ermöglicht das Ferienprogramm. "Ich finde, dass es wichtig ist, Kinder relativ früh mit dieser Institution in Kontakt zu bringen", erläutert Vorstandsmitglied Anette Haas. "Die Angebote werden hier gerade in den Ferien sehr gut angenommen", sagt sie, "und wir merken immer wieder, dass den Kindern das wirklich viel Spaß macht." Beim Schattentheater ist das deutlich zu spüren.