Ludwigshafen

Umwelt Ruderverein und Lauf-Club holen Fitness-Trend aus Schweden in die Chemiestadt / Beim Auftakt kommen 90 Kilo zusammen

Sportler sammeln Müll ein

Ludwigshafen.Sie stehen auf der Parkinsel, Schutzhandschuhe an, Müllsäcke und Greifzangen in der Hand. Normale Stadtreinigungstrupps, könnte man meinen. Aber nein, denn diese Leute haben keine orangene Leuchtkleidung an, sondern tragen Sporthosen und Laufschuhe. Sie sind Jogger und starten gleich auf ihre Laufrunde. „Plogging“ heißt der Trend aus Schweden: So wird eine Saubermach-Aktion in der Stadt mit einem sportlichen Lauf verbunden. Die Wortneuschöpfung setzt sich zusammen aus „plocka“, Schwedisch für sammeln, und Jogging, also laufen. Seinen Anfang nahm der Sport 2016 in Stockholm und verbreitet sich nun auch in anderen Ländern Europas.

Jetzt ist Ludwigshafen ebenfalls Plogging-Stadt, als erste in der ganzen Metropolregion. Treibende Kraft dahinter waren Winfried Ringwald, Vorsitzender des Ludwigshafener Rudervereins, und Saskia Helfenfinger-Jeck. „Wir haben etwa gleichzeitig einen Fernsehbeitrag darüber gesehen beziehungsweise in der Zeitung davon gelesen und waren begeistert“, erklärt Helfenfinger-Jeck, Sportvorstand des Ludwigshafener Lauf-Clubs: „Da hatten wir die Idee, das auch für Ludwigshafen zu organisieren.“ Für die Läuferin hat Plogging gleich zwei Vorteile: „Zum einen hält man sich fit, das ist ein gutes Training. Und zum anderen tut man etwas für die Sauberkeit in der Stadt.“ Einwände, dass man damit quasi die Arbeit mache, für die die Stadt sonst zuständig ist, möchte Helfenfinger-Jeck nicht gelten lassen: „Die Reinigungsbetriebe sind hier ja trotzdem unterwegs. Und außerdem sensibilisieren wir so für das Problem von Müll in der Stadt, gerade bei den Jugendlichen, die dabei sind.“

Viele Junge am Start

Tatsächlich begeben sich auch viele junge Mitglieder des Laufclubs und des Rudervereins auf Putztour, nachdem Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck den Startschuss für den Putzmarathon gegeben hat. So wie Marvin und David. Die beiden 13- und 14-Jährigen sammeln mit ihren Ruderkollegen Dreck zwischen der Parkinsel und der Konrad-Adenauer-Brücke und kommen dabei durchaus ins Schwitzen: „Es ist schon anstrengend, der Müll wird ja auch irgendwann schwer.“ Für die beiden ist es eine Selbstverständlichkeit, dabei zu sein: „Wir gehen hier regelmäßig Laufen, und es soll hier auch schön bleiben, das ist ja quasi unser Gelände.“ Sie finden, dass Ludwigshafen an einigen Stellen recht dreckig ist und fordern deshalb, die Aktion häufiger durchzuführen: „Das muss man eigentlich alle paar Monate machen.“

Insgesamt haben sich am Freitagabend rund 50 Läufer auf den Weg gemacht. Und während die Ruderer westlich der Parkinsel unterwegs waren, kümmerten sich die Mitglieder des Lauf-Clubs um ihr Revier auf der Parkinsel: Am Kiesstrand sammelte man liegengelassene Bäckertüten, Plastikteile und jede Menge alte Flaschen. Manch einer scheint gar nicht richtig ins Schwitzen zu kommen, da er vor lauter kleinteiligem Müll gar nicht loslaufen kann.

Anders Regina Rieger: „Immer wieder Bücken und Dehnen, da geht man schon aus der Komfortzone raus.“ Die Hobbyläuferin sammelt gerade unterhalb der Hannelore-Kohl-Promenade allerlei Hinterlassenschaften ein: „Es lohnt sich sehr, ich bin nur 15 Minuten unterwegs und habe bereits fast einen ganzen Beutel voll“, sagt sie, und hält ihre Mülltüte mit allerlei Unrat in die Luft. „Die Stadt ist schon sehr dreckig, gerade hier, wo die vielen Badegäste sonst sind.“ Und da sie ihr Lauftraining und ihr Umweltbewusstsein so gut verbinden kann, ist sie beim Plogging gerne dabei.

Für David, Marvin, Regina Rieger und alle anderen Plogger hat sich die Aktion gelohnt: „Wir haben grob geschätzt zwischen 80 und 90 Kilo Müll gesammelt, ein voller Erfolg“, freut sich Saskia Helfenfinger-Jeck. „Von einer – leider leeren – Geldkassette bis hin zu einer Steckdosenleiste war quasi alles dabei. Manchmal fragt man sich schon, was die Leute so liegen lassen.“ Sie freut sich schon auf den Müllsammel-Lauf, der kommendes Jahr steigen soll.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/ludwigshafen

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