Ludwigshafen

Hauptfriedhof Gedenkfeier zur BASF-Explosion 1948 mit Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck und Vorstandschef Martin Brudermüller

„Stete Mahnung für das Unternehmen“

Archivartikel

Ludwigshafen.70 Jahre nach einer der größten Katastrophen in der Geschichte der BASF haben die Stadt und das Unternehmen der Opfer gedacht. Bei der Explosion eines Kesselwagens am 28. Juli 1948 starben 207 Menschen. 3618 wurden verletzt. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck und Vorstandschef Martin Brudermüller legten am Samstag beim Ehrenfeld auf dem Hauptfriedhof Kränze nieder.

„Es war die dritte und schwerste Explosionskatastrophe seit 1921“, sagte Brudermüller. Dieses und jedes andere Unglück sei eine stete Mahnung gewesen, dass in der Chemieindustrie mit äußerster Vorsicht zu arbeiten sei. Die BASF entwickle die Sicherheitsstandards ständig weiter, woran auch die Werksfeuerwehr beteiligt seien. „Als Führungskräfte sind wir in der Pflicht, Sicherheit zu gewährleisten. Wir müssen sensibel und wachsam bleiben für besondere Situationen“, sagte Brudermüller.

„Die Explosion unterbrach den Wiederaufbau der Stadt drei Jahre nach Kriegsende“, erklärte Steinruck. Die D-Mark sei einen Monat zuvor als vertrauenserweckende Währung eingeführt worden, die Ernährung sei wieder gesichert und die Regale in den Läden voll gewesen.

Bei der Explosion des Kesselwagens waren 20 Tonnen Dimethylether ausgetreten. Das löste weitere Detonationen auf dem Werksgelände aus. Fensterscheiben in weitem Umkreis barsten, Tausende von Häusern wurden beschädigt. Wie nach dem Krieg rückte die Stadtgesellschaft eng zusammen, sagte Steinruck. Freiwillige Helfer eilten mit Schaufeln aufs Werksgelände und leisteten erste Hilfe, bevor sich die Kolonne von Verletzten zum Klinikum begab und eine blutige Spur nach sich zog. Französische Schwestern gaben Medizin aus, und die Besatzungsbehörde beorderte medizinische Geräte und Soldaten zum Unfallort, die bis zur völligen Erschöpfung halfen.

Eindrucksvolle Hilfe

„Zum Zeitpunkt der Explosion in der Sodafabrik war ich mit Kollegen beim Willersinnweiher“, erzählte der damals 14-jährige Roland Koch, der später als Arbeitnehmervertreter im Aufsichts- und Betriebsrat wirkte: „Als wir in die Stadt fuhren, sahen wir kaputte Straßenbahnen. Die Fensterscheiben in der Arbeitersiedlung im Hemshof waren zerborsten. Auf dem Werksgelände zeigte sich das ganze Ausmaß der Explosion. Krankenschwestern versorgten die Verletzten, Frauen schrien.“

Eindrucksvoll sei die Hilfe der amerikanischen Pioniereinheiten gewesen, die Menschen aus den Trümmern trugen, so Koch. „Ich erinnere mich noch genau an eine Frau auf einem Laster, die einer Kollegin zurief: Sag’ meinen Eltern, ich lebe noch. Ich gehe jetzt ins Krankenhaus.“