Ludwigshafen

Hochschule Kurse über soziale Innovationen an neuem Standort / Sieg bei Wettbewerb gegen 87 Konkurrenten bringt 250 000 Euro

Studenten ziehen in Innenstadt

Ludwigshafen.Das Konzept ist bundesweit selten, wenn nicht sogar einzigartig: Studenten erarbeiten Lösungen für gesellschaftliche Probleme nicht in einem abgeschiedenen Raum der Hochschule, sondern dort, wo das Leben pulsiert – mitten in der Fußgängerzone. Dabei sprechen sie auch die Bürger an und bitten sie um ihre Meinung. Zugleich nehmen die Studierenden in dem angemieteten Domizil einer ehemaligen Ladenfläche auch Anregungen von Passanten auf. Mit diesem Programm überzeugte die Ludwigshafener Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft die Jury beim Wettbewerb „Innovation Hubs @ Campus“ des Stifterverbandes und der Dieter-Schwarz-Stiftung. Sie setzte sich dabei gegen 87 andere Vorschläge von Universitäten und Fachhochschulen durch und erhält als Sieger einen Betrag von 250 000 Euro.

„Das ist eine Riesenchance. Mit diesem Projekt können wir einen Zukunftsbeitrag für Ludwigshafen leisten und das Potenzial der Stadt stärker herausstellen“, freut sich Hochschulpräsident Peter Mudra über den Zuschlag für den „Creative Space“. Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) ist ebenfalls sehr angetan von dem prestigeträchtigen und wegweisenden Förderprogramm: „Hochschulen wirken mit ihrer Fachexpertise in der Region.“

Wohnen, Mobilität und Gesundheit

„Im Herbst soll das Projekt zum Wintersemester in der Innenstadt beginnen“, erläutert Abteilungsleiterin Imke Buß im „MM“-Gespräch die Einzelheiten. Eine sehr breite Palette an Themen ist bei den Unterrichtseinheiten für die Bachelor- und Masterstudenten zu erwarten. „Der Strukturwandel in der Ludwigshafener Innenstadt dürfte voraussichtlich ebenso erörtert werden wie die Fragen der Wohnungspolitik oder der Mobilität“, nannte die Projektleiterin Beispiele.

Es könne aber auch um neue Arbeitszeitmodelle oder Beteiligungsformen in Betrieben gehen. Aspekte der Pflege, Gesundheitsversorgung oder generationenübergreifende Projekte seien ebenfalls denkbar.

Zumal sich mehrere Kooperationspartner an dem Vorhaben beteiligen. Dazu zählen die Stadtverwaltung, BASF, MD Medicus und die AOK-Krankenkasse. Über die Ökumenische Fördergemeinschaft sind ferner die kirchlichen Sozialverbände Caritas und Diakonie in die Erarbeitung gesellschaftlicher Lösungsvorschläge eingebunden. Die Liste der Partner sei aber nicht abgeschlossen, betont Buß. „Wir freuen uns über weitere Mitstreiter.“

Spezielle Auftragsarbeiten für die Unternehmen oder Verbände übernehmen die Studierenden aber nicht, stellt die Projektleiterin klar. „Die Studenten erörtern immer ein Thema von allgemein gesellschaftlichem Interesse.“

Nach der Umbenennung in Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft haben sich die Verantwortlichen überlegt, wie die Einrichtung stärker in Stadt und Region wirken kann“ , erzählt Buß die Vorgeschichte. Das Innenstadt-Projekt sei dabei gleich auf große Zustimmung gestoßen. „Viele haben sich bereiterklärt mitzumachen.“

Passanten werden einbezogen

Einzelheiten sollen in den nächsten Wochen geklärt werden. Zunächst wurde die Stelle des Projektkoordinators ausgeschrieben, der im Juni seine Arbeit aufnimmt. Unterstützt wird er von einem acht- bis zehnköpfigen Lenkungsausschuss mit Experten für soziale Innovationen. Bei dem interdisziplinären Vorhaben wird auch die Vizepräsidentin der Hochschule, Ellen Bareis, eingebunden.

Bei den konkreten Lösungsansätzen beziehen die Studierenden auch die Bürger ein. Sie laden zu Gesprächen oder gehen auf die Straße – für Umfragen unter den Passanten. Die Ergebnisse sollen der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Zudem ist eine interaktive Online-Plattform vorgesehen.

Genau festgelegt ist auch die Belegung der neuen Räume. Zwei Unterrichtsmodule in Zusammenhang mit jeweils sechs Bachelor- und sechs Masterstudiengängen will die Hochschule pro Semester an dem Standort in der Innenstadt abhalten. Pro Kurs sind jeweils 350 Stunden geplant, also etwa ein Drittel des Semesterpensums.

Unklar ist hingegen noch, wo das neue Domizil in der Fußgängerzone sein wird. Erste Gespräche wurden aber bereits geführt. Die Hochschule denkt dabei an eine langfristige Belegung, hebt die Abteilungsleiterin hervor. „Auch wenn das Projekt offiziell nach zwei Jahren endet, wollen wir es gerne fortführen – die Effekte sollen nachhaltig sein.“