Ludwigshafen

Kreisparteitag 41-Jähriger will Bürgerstammtische beleben

Timo Weber zurück an AfD-Kreisspitze

Ludwigshafen.Timo Weber ist wieder Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Ludwigshafen. Nachdem der 41-Jährige Mitte Juni von seinem Amt zurückgetreten war und auf sein Stadtratsmandat verzichtet hatte, war die Neuwahl des Kreisvorstands notwendig geworden. Mit diesem Schritt wolle die Partei zugleich Fraktion und Kreisvorstand personell trennen, erklärte Joachim Klingmann. Er hatte den Vorsitz kommissarisch übernommen und ist künftig ebenso wie Manfred Hartinger stellvertretender Kreisvorsitzender.

„Vorfälle inzwischen geklärt“

Auf dem Kreisparteitag in Friesenheim wählten die 23 Delegierten Timo Weber bei einer Gegenstimme. Die „Vorfälle aus dem Wahlkampf“ seien inzwischen geklärt, viele Mitglieder hätten ihn „zurückhaben“ wollen, sagte der selbstständige Software-Entwickler aus Oppau in seiner Wahlrede. In Ludwigshafen möchte er nun die AfD-Bürgerstammtische wiederbeleben und weitere Mitglieder gewinnen. 101 sind es aktuell. Neuer Kreisschatzmeister ist Josef Huber. Der 68-Jährige aus der Gartenstadt gehörte über 20 Jahre der SPD an und erhielt mit 23 Ja-Stimmen das beste Wahlergebnis.

In Ludwigshafen sei die AfD stetig gewachsen und damit auch die Verantwortung, resümierte Joachim Klingmann. Als Ziel gab der gelernte Bankkaufmann eine „noch breitere Verankerung in der Bevölkerung“ aus. Im Stadtbild sichtbar gewesen sei man zuletzt während des Europa-Wahlkampfs, wenngleich „manche Plakate schneller unten waren, als sie aufgehängt wurden“. „Gut angekommen“ sei die AfD mittlerweile auch im Stadtrat, nachdem man sich zunächst versehentlich selbst aus dem Hauptausschuss gewählt hatte, so das Fazit des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Johannes Thiedig. Dass man „nicht Gegenpartei von Ludwigshafen“ sei, sondern konstruktiv mitarbeiten wolle, bekräftigte Fraktionskollege Hans-Joachim Spieß, der Anfang des Jahres von der Linkspartei gekommen war. Klingmann beklagte, dass Reden von AfD-Abgeordneten bei Facebook blockiert und Beiträge ohne Werbung in ihrer Reichweite begrenzt würden. Als erhebliches internes Problem erwies sich während des phasenweise kontrovers geführten Parteitags die Zahlungsmoral. Drei Personen mussten aufgrund ausstehender Mitgliedsbeiträge die Partei verlassen – weswegen der ehemalige Bundestagskandidat Stefan Scheil mehr Disziplin anmahnte. Mit Timo Böhme begrüßten die Delegierten ihren Abgeordneten aus dem rheinland-pfälzischen Landtag.

Anlässlich des 9. Novembers habe er verschiedene Schulen besucht, sagte der 56-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Intelligente, aber auch kritische Fragen hätten ihm die Schüler gestellt. Regelmäßig auf Interesse stoße seine „Unterdrückungserfahrung“ in der DDR. Vor diesem Hintergrund lehnt der gebürtige Sachse „Haltungsappelle“ ab, Meinungsfreiheit und Pluralismus gelte es zu achten. Gleichwohl sieht Böhme in Deutschland ein „Problem mit Rechtsradikalen“. Dagegen müsse man entschieden vorgehen. dtim

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