Ludwigshafen

Kabarett Katalyn Bohn im Ludwigshafener Pfalzbau

Träumen statt Technik

Archivartikel

Die shakespearesche Antithese „Sein oder nicht sein“ geistert seit ihrem Entstehen durch die denkenden Köpfe dieser Welt. Zeigt sie doch wunderbar verklausuliert, wie Probleme die eigene Existenz bedrohen können. Doch was für den einen Vatermord ist, ist für den anderen das moderne Leben. Darum lud Katalyn Bohn an Weiberfasnet (Weiberfastnacht) in das Gläserne Foyer des Pfalzbaus zu einem Kabarettabend mit dem Titel „Sein oder online“.

Zwischen Selbstoptimierungswahn und Dauererreichbarkeit wird dem Individuum schwindelig. Um das dem Publikum erlebbar zu machen, kreiert Schauspielerin Bohn eine alleinerziehende, arbeitsuchende Mutter, die aus Angst vor der Imperfektion ihre Tochter auf einen Therapiebauernhof schickt. Doch, oh weh, die Tiere dort wollen Freiheit und erkunden dafür das Internet. Deutlich wird hier, leichte Kost ist das keine. Um ein paar Ecken muss man denken, möchte man das gelungene Kabarett, mit dem Bohn seit 2017 tourt, verstehen.

An dieser Durchdachtheit kränkelt der Abend etwas. Denn wo der bissige Witz allzu tief versteckt liegt, füllt Bohn die Bühne mit Kalauern und Zauberkunst, die sich an Kinder zu richten scheint. Zwar meistert sie das bravourös, die wunderbare Ausbildung der Folkwang-Uni Essen merkt man ihr in jeder Minute an, doch komische Mimik und wechselnde Stimmen reichen noch lange nicht zum großen Lacher.

Youtube-Star gemimt

Dass sie die produzieren kann, zeigt sie an etlichen Stellen in ihrem Programm. Etwa, wenn sie im Stil der „Sendung mit der Maus“ die Evolution des Menschen hin zum dusseligen Liebhaber von Katzenvideos erklärt oder als „Youtube“-Star getarnt versucht, ihre Tochter zu erreichen.

Davon hätte man sich mehr ge-wünscht, um die ruhigen, wichtigen Töne zu würdigen. Denn Internet und Technik, das ist für Bohn kein Teufelswerk. Doch sie erinnert uns daran, nicht zu verlernen, was wir bereits können. Wer braucht großes Imaginations-Technik-Brimborium, wenn er einfach träumen kann? Für diese Einsicht bedankt sich das Publikum mit lautem Applaus. igl