Ludwigshafen

Prinzregententheater Neues Stück „Die Soko LU“ feiert mit viel grotesker Komik Premiere

Turbulenzen auf dem Revier

Ludwigshafen.Ein Innenminister von der Wand geschossen, rein bildlich natürlich, sein Nachfolger in eine Zelle gesperrt. Dazu eine Bande, die womöglich einen Anschlag plant, zwei Koffer, davon einer mit Schmuck und reichlich Barem sowie ein Geschenk, das tickt. Da ist viel kriminalistisches Gespür gefordert – ein Fall für „Die Soko LU“, so der Name der neuen Komödie von Bernhard Dropmann, die mit einigen Tagen Verspätung nun Premiere feierte im voll besetzten Prinzregententheater.

Zu sehen bekamen die Zuschauer gute zwei Stunden überdrehten Klamauk mit viel Geschrei und noch mehr Sprachfehlern. Da tat so manchem schon beim Zuschauen der Kiefer weh, ganz zu schweigen vom Ohr. Allen voran Klaus Sokoli war nicht zu beneiden, denn der musste den „Oberwachtmeeschder“ Karl Blond spielen. Und der war arg am Nuscheln, „wege dem Schnubbe“ (Schnupfen); er dürfte aber auch so mit Vorbiss und augenscheinlich fehlender Kauleiste kaum zu verstehen sein. Dennoch hatte der Chef seine Untergebenen Erwin (Paul Meidl) und Michi (Josh Juhn) erstaunlich gut im Griff.

Trainieren und marschieren

Statt sich wie sonst zu langweilen, die Finger zu verknoten oder sich gegenseitig Streiche zu spielen, lässt er sie trainieren und marschieren, bis die Dornwarze kracht. Sie müssen sich in Selbstverteidigung üben, also sich gegenseitig angreifen, oder beim Schießtraining ihr Können zeigen. Leider ist es damit nicht weit her, denn gegen die Helden vom Hemshöfer Revier wären die Gendarmen von St. Tropez so etwas wie Denkerprinzen. Gut, dass die Drei von der Wache bald Verstärkung bekommen: Eine neue Revierleiterin (Stefanie Röhheuser) ist angekündigt, doch niemand weiß wann sie kommt und wie sie aussieht. Und prompt entscheidet die sich dafür, inkognito zu kommen, um alles einmal zu inspizieren.

Zum Glück ist ja noch die gute Seele des Reviers da: Putze Magda (Annette Zimmermann), die deutlich mehr drauf und alles im Griff hat. Wenn da nur nicht dieser Brief vom Finanzamt wäre, der ihr schwer zu schaffen macht. Als dann auch eine Grand Dame (Ute Leonhardt) mit Pfeifgeräuschen beim Sprechdurchfall und der fesche Tobias (Ralf Ehret) auf der Bildfläche erscheinen, wird es schnell unübersichtlich und kompliziert. Das muss man gesehen haben, um es zu glauben.

Eine neue Liebe zum Schluss

Die eine oder andere Verwechslung bleibt da natürlich nicht aus und die Ereignisse überschlagen sich. Die Dame könnte Teil der Bande sein und wird von Putze Magda vorsichtshalber unschädlich gemacht und mit Müllsack über dem Kopf in eine Zelle gesperrt. Tatsächlich ist sie aber die Mutter der neuen Revierleiterin, die dieser einen Besuch abstatten will. Tobias, der den Cops „irgendwie bekannt“ vorkommt, lächelt als neuer Innenminister vom Bild in der Ecke hervor. Das ist aber noch nicht aufgehängt, und so landet auch der oberste Dienstherr unversehens in einer Zelle. Der Zellentrakt füllt sich zusehends.

Dazu sorgt ein Polizeimaskottchen für Schrecksekunden, ein Pärchen küsst sich innig und unsere armen Hemshöfer Cops rennen mal gegen Türrahmen oder geradewegs in eine Falle – einen Affenkäfig aus dem Zirkus. „Ein Käfig voller Narren“, lacht da ein Zuschauer und hat nicht ganz unrecht. Nach gut zwei Stunden grotesker Komik mit ausladender Körpersprache gibt es ein Happy End, inklusive Beförderung und einer neuen Liebe. Und dazu verdienten Applaus für das eingespielte Ensemble unter der Regie von Bernhard Dropmann.