Ludwigshafen

Geschichte Stadtmuseum und Stadtarchiv zeigen Sonderausstellung „...mit glühenden Kugeln. Die Revolution 1848/49 in Ludwigshafen“

„Unsere Demokratie wahren“

Archivartikel

Ludwigshafen.Sie bietet allerhand Schauwerte, die Sonderausstellung „...mit glühenden Kugeln. Die Revolution 1848/49 in Ludwigshafen“. Ab 5. September im Stadtmuseum präsentiert sie Kanonenkugeln, mit denen die Siedlung am Rhein damals beschossen wurde, Waffen aus der umfangreichen Sammlung des Museums, und den „Säbel zu Ehren des Revolutionsführers Ludwig Blenker“. In einer Ecke ist eine Barrikade aus Fässern und Möbeln errichtet worden, unweit hängt eine Revolutionsfahne aus dem Jahr 1848 im Schaukasten. Dazu kommen viele informative Texte und Exponate, originales Bildmaterial und Dokumente, ebenso Seh- und Hörstationen, die tiefe und weitreichende Einsichten in die Zeit um das „Gefecht von Ludwigshafen“ vermitteln, das vor 170 Jahren, vom 15. bis zum 18. Juni 1849, stattgefunden hatte.

„...mit glühenden Kugeln“ ist die vierte Sonderausstellung, die das Stadtmuseum und das Stadtarchiv mit Museumsleiterin Regina Heilmann und Stadthistoriker Klaus-Jürgen Becker konzipiert und in die Tat umgesetzt haben. Unterstützt wurden sie von der jungen Historikerin Lucia Taglieber als Assistentin.

Die Schau führt ihre Besucher in die historischen Zusammenhänge ein und widmet sich dann der Situation der damals jungen Siedlung Ludwigshafen im Zuge der Badischen Revolution und des Pfälzer Aufstandes von 1848 bis 1849. Beim besagten „Gefecht von Ludwigshafen“ und der darauffolgenden Kanonade wurde der Hafenort durch Vorstöße der Preußischen Armee sowie von Granaten der aufständischen badischen Artillerie und die dadurch ausgelösten Brände stark beschädigt. Der Aufstand wurde niedergeschlagen, der bayerische Staat übernahm schließlich die Kosten des Wiederaufbaus der Siedlung – die bald einen rasanten Aufstieg als Industriestadt erleben sollte.

Schau will Zeichen setzen

Mit der Ausstellung soll im Jahr 2019 zugleich ein Zeichen gesetzt werden, „unsere Demokratie zu wahren und zu verteidigen“, wie es in deren Vorbemerkung heißt. Ein Grund für die Schau sei, dass sowohl sie und Becker „als auch viele andere Kulturschaffende und Historiker seit einiger Zeit ein Unbehagen verspüren, was mit dem Rechtsruck einhergehend eine bestimmte Interpretation historischer Quellen, historischer Ereignisse betrifft“, erläutert Heilmann. „Das war ein langer Weg, für den sind viele gestorben, für den haben viele gekämpft – und wir wollen das bewusst machen“, betont sie mit Blick auf demokratische Errungenschaften wie Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Gleichheit vor dem Gesetz.

Die Ausstellung wird bis zum 21. Dezember im Stadtmuseum zu sehen sein. Den Auftakt des Begleitprogramms bestreitet Becker am 14. September, 15 Uhr, mit einem Vortrag. Darin wird er die Themen der Schau vertiefen und in einen geschichtlichen Gesamtzusammenhang rund um das Revolutionsgeschehen von 1848/1849 einordnen. Am 21. September folgt der Vortrag „Sind Frauen politikfähig – Männliche Phantasien von 1848 bis 1919“ mit Sylvia Schraut. Am 2. Oktober gibt es den „Unser die Welt – trotz alledem“-Liederabend mit Bernd Köhler und Laurent Leroi. Am 9. Oktober findet das Kinderferienprogramm zur Ausstellung statt. Weitere Veranstaltungen sollen bis zur Finissage am 21. Dezember folgen.

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