Ludwigshafen

30 Jahre Deutsche Einheit Feierstunde mit Gästen aus Dessau-Roßlau

„Unsere Partnerschaft lebt“

Archivartikel

Ludwigshafen.Mit einer Feierstunde wurde im Kulturzentrum „dasHaus“ an 30 Jahre Deutsche Einheit erinnert. Dazu lud die Verwaltung 51 Bürger aus der Partnerstadt Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt ein. Marcel Jurkat, Leiter Repräsentation und Städtepartnerschaften, präsentierte eine Bilderreise mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden beider Städte. Was dem Pfälzer der Rhein, ist dem Dessauer die Elbe, dem Theater im Pfalzbau steht das Anhaltische Theater gegenüber, nicht zuletzt trifft das Hack-Museum auf das weltberühmte Bauhaus, wo ab 1925 Architekturgeschichte geschrieben wurde.

Beeindruckender Mut

„Unsere Städtepartnerschaft lebt“, konstatierte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck und verwies auf einen schwierigen Start: Zehn Jahre habe es gedauert, bis die Machthaber in der DDR einen Freundschaftsvertrag zugelassen hätten. Vor allem in den „Wendejahren“ sei die Verbindung mit Leben erfüllt worden, für die Zukunft komme es auf die Einbindung der Jugend an. Die deutsche Einheit würdigte Steinruck als „großartige Leistung, an die wir uns hoffentlich lange erinnern“. Die Menschen der damaligen DDR haben sie mit ihrem Mut beeindruckt.

Der Dessauer Beigeordnete Jens Krause betonte, der 3. Oktober 2020 sei auch deswegen ein Tag zur Freude, weil in seiner Heimatstadt gerade ein Gorbatschow-Denkmal eingeweiht würde – in direkter Nachbarschaft zur Friedensglocke, deren Stahl aus eingeschmolzenen NVA-Waffen besteht. „Mehr Symbolik geht nicht“, sagte Krause.

„Kontakte nach drüben galten früher als gefährlich“, erzählte Festredner Horst Sielaff (83). Der Pfarrer und frühere SPD-Bundestagsabgeordneter aus Frankenthal war 1970 zum ersten Mal in der DDR – „durch Vermittlung von sehr linken Leuten“ in Ludwigshafen, was ihm in der Chemiestadt parteiintern Ärger eingebracht habe. „Man hatte Angst, im Osten könnten sie mich umpolen in Richtung Kommunismus“, erklärte Sielaff die Gemengelange inmitten des Kalten Krieges.

Er bezeichnete die oft kirchlich geprägten Friedensbewegungen in West und Ost als entscheidenden Faktor, neben der polnischen Solidarnosc-Bewegung ab 1981. „Es ist zur rechten Zeit das Richtige gemacht worden“, lautete Sielaffs Fazit zur Wiedervereinigung. „Der größte Dank geht an Helmut Kohl, der ein großer Europäer war“, sagte ein Dessauer bei der anschließenden Diskussion. Stefanie Indefrey, Leiterin der Volkshochschule, eröffnete die Ausstellung „Umbruch Ost. Lebenswelten im Wandel“ mit Plakaten zu 30 Jahren Deutsche Einheit. 

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