Ludwigshafen

Festival des deutschen Films Für „303“ erhält Weingartner heute Regiepreis

Unterwegs zu sich selbst

Archivartikel

Im Lebenslauf des österreichischen Filmemachers Hans Weingartner, den das Ludwigshafener Festival heute mit dem neuen, undotierten Regiepreis ehrt, findet sich ein interessantes Detail: Er, der Naturwissenschaften studierte, ehe es ihn zum Film zog, war 1995 Kameraassistent beim Spielfilm „Before Sunrise“ (Vor Sonnenaufgang) des US-Regisseurs Richard Linklater.

Dieses so leicht inszenierte Werk über die Zufallsbekanntschaft eines Amerikaners und einer Französin, die sich spontan entschließen, gemeinsam Wien zu erkunden und dabei vor allem eines machen: reden – er kann einem auch in den Sinn kommen, wenn man Weingartners neues Opus „303“ erlebt: Auch hier stehen eine junge Frau und ein junger Mann im Zentrum, auch hier kommen sie sich näher und reden sehr viel, aber eigenständig wirkt Weingartners Zugang gleichwohl.

Und die Dialoge sind von (noch) mehr Tiefe geprägt. Es sind zwei Figuren, erfrischend sympathisch zum Leben erweckt von den Darstellern Mala Emde und Anton Spieker, die sich fragen, wo es hingehen soll in ihrem Leben. Sie sind unterwegs– mit einem Wohnmobil, aber auch zu sich und zueinander. Das hört man in den nie aufgesetzt wirkenden Gesprächen, und man sieht es, weil sie durch halb Europa reisen, wobei die Landschaften immer wieder seelische Zustände anschaulich machen.

Der Film ist fast zweieinhalb Stunden lang, ohne je langatmig zu wirken. Nie zuvor hat der Regisseur, dem es in früheren Filmen um Themen wie Schizophrenie, Globalisierungs- oder Medienkritik ging, mit solch leichter Hand inszeniert, ist ihm die Balance zwischen Handlung, Wort und Bild derart gelungen. Eine Auszeichnung ist Autor und Werk ja sicher. Ein Kandidat für den Filmkunstpreis ist der Wettbewerbsbeitrag „303“ ebenfalls. Und weil er und die Darsteller so liebenswert sind, wäre auch der Publikumspreis eine Möglichkeit für diesen Film, der so viel von Möglichkeiten handelt.