Ludwigshafen

Junges Theater im Pfalzbau Spielclub „Lu & du“ feiert Premiere mit einem Stück über den Brennpunkt Berliner Platz

„Versuchen, etwas in Köpfen zu wecken“

Ludwigshafen.Aufstehen, einige Schritte zur Seite, setzen: Wie Automaten bewegen sich die neun Spieler nach dem immer gleichen Muster durch den Raum der Studiobühne. Taktgeber dieser hypnotisch-mechanisch anmutenden Choreografie ist eine treibende Soundschleife, dazu erklingen Straßenbahngeräusche aus den Lautsprechern, irgendwann auch die Durchsage: „Berliner Platz“. Diese Szene bildet den Auftakt zu „hot.spot berliner.platz“, einer knapp halbstündigen Schauspiel-Performance, mit der der Spielclub „Lu & du“ des Jungen Theaters im Pfalzbau Premiere feiert. Darin setzen sich die Spieler intensiv mit dem Platz auseinander, der eben nicht nur als Verkehrsknotenpunkt und Umsteigeort, sondern auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht ein „Hotspot“ ist.

Viel Wut zu spüren

Historische Bilder des Berliner Platzes, des alten Pfalzbaus und der „Tortenschachtel“ werden auf eine Pappkarton-Wand projiziert, die Texte, Erinnerungen, Erfahrungen und Assoziationen werden von den 15 bis 20 Jahre alten Spielern mal chorisch gesprochen, teils einzeln ins Mikrofon – teils auch in einschüchternder Manier aus dem Leib geschrien. „Was guckst du?“, ruft einer, woraus die jungen Akteure in Form einer Wiederholungsschleife ein veritables A-capella-Gesangsstück entwickeln.

„Hot.spot berliner.platz“ ist eine Performance, in der auch viel Wut zu spüren ist. Was meinen die Darsteller dazu? „Der Berliner Platz ist einfach auch ein Ort, der gefüllt ist – vor allem abends – mit Aggression“, sagt die 20-jährige Katja Roberts. „Wir haben alle Geschichten erzählt, wo wir tatsächlich selber angegriffen wurden, verbal, vielleicht auch körperlich, oder wo man einfach gesehen hat, wie Leute auf einmal Glasflaschen aufeinander werfen“, erläutert sie nach der Premiere. „Deswegen diese ganze Wut“, fügt der 18-jährige Alexander Portillo hinzu. „Und vielleicht auch diese Wut als Antrieb dafür, dass wir was verändern wollen, oder vielleicht mit dem Stück versuchen, etwas in den Köpfen zu wecken“, meint Katja Roberts.

Menschen vor Ort befragt

Seit Januar haben die Spieler begleitet von den Theaterpädagogen Benjamin Kaufhold, Matthias Rankov und Iris Sibla an der Inszenierung gearbeitet. Angefangen mit einfachen Assoziationsspielen zum Berliner Platz, wurden später in Schreibwerkstätten Geschichten hierzu entwickelt, rekapituliert Sibla. Die Gruppe besuchte das Stadtarchiv und das Stadtmuseum, „Wir waren auch oft am Berliner Platz und haben einfach mal beobachtet: Wie steigen Menschen aus Bahnen aus und ein?“

Ebenso wurden auch Menschen interviewt, etwa dazu, was sie mit dem Berliner Platz assoziieren, wie oft und aus welchem Grund sie hier sind, oder dazu, wie der Platz in fünf Jahren wohl aussehen werde. „Wichtig ist uns, dass das alles biografisch und dokumentarisch ist“, erläutert Matthias Rankov. „Deshalb ist das einfach auch so authentisch geworden“, merkt der Theaterpädagoge an. „Weil sie das ernst genommen haben, weil das ihre Sachen waren und wir nichts obendrauf gestülpt haben.“