Ludwigshafen

Landgericht Prozess gegen 49-jährige Frau wegen tödlicher Messerstiche

Verteidigung geht von Notwehrsituation aus

Ludwigshafen.Bevor die Angeklagte am Landgericht Frankenthal am Montagmorgen Angaben zur Person und Tat machen konnte, gab ihr Pflichtverteidiger Frank Zander eine Stellungnahme ab, in der er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückwies. Diese hatte die 49-Jährige beschuldigt, das Messer „mit größtmöglicher Kraft“ in den Oberschenkel ihres Lebensgefährten gerammt und so seinen Tod billigend in Kauf genommen zu haben. Der Stich in den Oberschenkel sei ungeeignet, um jemanden zu töten, meinte hingegen Zander. Er geht vielmehr von einer Notwehrsituation aus, als die Geburtstagsfeier für ihren Lebensgefährten im Rausch von Alkohol und Drogen im Streit in einer tödlichen Messerstecherei endete.

Drogen und Alkohol im Spiel

Detailliert schilderte die Angeklagte ihre Jugend in Polen. Mit 18 wird sie schwanger, sie muss ihren Freund heiraten, sie kommt aus einer streng katholischen Familie. 2004 lässt sie sich scheiden, es sei keine Liebe gewesen, so die Angeklagte, zudem hatte ihr Mann eine Affäre. Im selben Jahr kommt sie nach Deutschland, um hier zu studieren. Alkohol trank sie keinen, „bis ich 30 Jahre alt war, außer an Silvester.“ Doch dann begannen ihre Probleme. Sie kommt in der Kneipe, in der sie arbeitet, mit der Drogen- und Alkoholszene in Kontakt: „30 Schnaps und 15 Tequilla am Wochenende waren normal.“

„In Deutschland hatte ich den Hang, an gewalttätige Männer zu geraten“, berichtete sie. Von einem ehemaligen Lebensgefährten sei sie bewusstlos geschlagen und von einem anderen gewürgt worden. Von den fünf Beziehungen in Deutschland waren nur zwei ohne Drogen, Alkohol und Spielautomatensucht. 2017 lernt sie ihren letzten Lebensgefährten kennen, ein Alkoholiker und Drogenkonsument. Seit Sommer 2018 sind sie zusammen. Es gibt immer wieder Streit, im Februar erfährt sie, dass er Drogenhändler ist.

Am 30. März wollen sie seinen 40. Geburtstag feiern, mit begrenzten finanziellen Mitteln organisiert sie nach eigenen Angaben eine Feier. Er ist mittags völlig betrunken, pöbelt Menschen an. Zuhause wird weiter getrunken. Freunde kommen mit Drogen, die Party geht in einer Kneipe weiter, da merkt sie, dass etwas nicht stimmt mit ihr: „Ich war körperlich kaputt, wie in der Narkose.“

Sie geht alleine nach Hause, ihr Lebensgefährte kommt später nach und hämmert dann wie wild an ihrer Tür, so die Aussage der Angeklagten weiter. Er sagt, dass er sie umbringen will. Er hat plötzlich ein Messer in der Hand, er schlägt sie, tritt sie, und sticht zu. Doch er verletzt sie nur leicht an der Schulter. Sie holt sich ein anderes Messer, dass sie nur vor sich hält: „Ich wollte ihn nicht verletzen, er sollte nur raus aus der Wohnung gehen.“ Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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