Ludwigshafen

Umwelt Initiative „Fahrradstadt Ludwigshafen“ kritisiert bei Besuch von Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck Situation

Viele Hemmnisse für Radfahrer

Ludwigshafen.Wie für viele andere war auch für Julia Haßfeld die Sperrung der Hochstraße Süd im August 2019 ein Ärgernis. Doch machte die Marketing-Expertin, die seit anderthalb Jahren in Ludwigshafen lebt und über die Brücke zur Arbeit pendelt, aus der Not eine Tugend: Sie stieg aufs Fahrrad um. Schnell ergaben sich mit dem neuen Verkehrsmittel jedoch neue Probleme: „Schlecht ausgebaute Radwege, lange Wartezeiten an Ampeln, zu wenige Stellplätze“, nennt Haßfeld die aus ihrer Sicht größten Hemmnisse für Fahrradfahrer in Ludwigshafen. Um die Situation zu verbessern, startete die gebürtige Mindenerin die Initiative „Fahrradstadt Ludwigshafen“. Damit erreichte sie den Monatssieg bei der Internet-Abstimmung „Hol die Oberbürgermeisterin“.

Wenngleich im Dezember lediglich zwölf Stimmen hierfür ausreichten, so ist die Situation der Radfahrer ein „Dauerbrenner“ für zahlreiche Einwohner. Dies zeigte sich auch im Gespräch mit Jutta Steinruck (SPD). „Wir wollen hier noch besser werden“, bekräftigte die Oberbürgermeisterin. Dabei setzt sie auf die „Vielzahl an Verkehrsmitteln“. Über Jahrzehnte sei Ludwigshafen vorrangig „Auto-Stadt“ gewesen, nun vollziehe sich ein Umbau. Diesen gelte es aber Schritt für Schritt anzugehen.

Verweis auf Erfolge

Steinruck verwies auf eine Reihe an Erfolgen: Vor exakt einem Jahr hat man das Bürgerforum „LU radelt“ ins Leben gerufen, in der Heinigstraße wurde eine Fahrspur zum Radweg, in den Stadtteilen gibt es „Fahrradfahrer-Paten“, darüber hinaus hat die Stadt mit Beate Rösner sogar eine Fahrradbeauftragte. Als besonders attraktive Radstrecken im Stadtgebiet sieht sie den Internationalen Rheinradweg sowie die Schillerroute an. Letztere verbindet die Wirkungsstätten des Dichters in Mannheim und Oggersheim. Hinzukommen könnte der „Pendlerradweg“, der aktuell Gegenstand einer Machbarkeitsstudie ist und der später bis zur Konrad-Adenauer-Brücke führen soll. In einem weiteren Verfahren werde geprüft, inwiefern eine Fußgänger- und Fahrradbrücke die beiden Schwesterstädte verbinden könnte – ein Vorhaben, das laut Oberbürgermeisterin in den Ortsbeiräten bereits angekommen ist.

Die von Haßfeld vorgeschlagene verstärkte Nutzung von Einbahnstraßen befinde sich in der Umsetzung, die „Bike&Ride“-Anlagen böten schon jetzt 1000 Abstellplätze, verteilt auf zentrale Straßenbahnhaltestellen im gesamten Stadtgebiet. Ausbaufähig seien die Marketingmaßnahmen, waren sich Projektinitiatorin und Rathauschefin einig. Zwar hätte etwa das letztjährige „Stadtradeln“ eine große Resonanz erfahren, dennoch sei das Format den Bürgern noch zu wenig bekannt. Hier könnte eine bessere Visualisierung helfen.

Potenziale vor allem in der City

Haßfeld, die einst die Suche nach einem WG-Zimmer nach Ludwigshafen verschlug, wo sie nach eigenem Bekunden „sehr gerne lebt“, sieht vor allem im Innenstadtbereich Potentiale. Steinruck versprach, weiterhin alle handelnden Personen in der Verwaltung für die Belange der Fahrradfahrer zu sensibilisieren. Julia Haßfeld wird künftig dabei sein.

Über eine Internet-Plattform „Hol die Oberbürgermeisterin!“ können Projekte unterschiedlicher Art eingereicht werden. Wer die monatliche Online-Abstimmung gewinnt, bekommt Besuch von Jutta Steinruck. In Ludwigshafen läuft das Projekt seit Oktober 2018.

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