Ludwigshafen

Natur Umzugsaktion soll Tiere von der Hochstraße Nord weglotsen / „Die Hälfte der 110 Standorte ist schon belegt“

Vögel nehmen neue Nistkästen gut an

Archivartikel

Ludwigshafen.Sechs Monate nach Beginn der Aktion zieht Klaus Eisele zufrieden Zwischenbilanz. „Die 110 aufgehängten Nistkästen und Fledermaushöhlen werden gut angenommen. Die Hälfte von ihnen ist bereits belegt“, sagt der Vorsitzende des Orbea-Arbeitskreises für Ornithologie und Naturschutz. Im Vorfeld zum geplanten Abriss der Hochstraße Nord haben Mitglieder der Umweltorganisation Ausweichquartiere in Sichtweite zum maroden Brückenbauwerk aufgestellt. Damit soll den Vögeln ein Umzug schmackhaft gemacht werden. Ein solches Vorgehen schreibt das Bundesnaturschutzgesetz vor.

Auf Friedhof und an Schulen

Unter mächtigen Bäumen des Hauptfriedhofs sowie im Friedens- und Ebertpark hat die Orbea im März Nistkästen und Höhlen platziert, in denen regelmäßig Futter ausgelegt wird. Hinzu kamen weitere Standorte am Carl-Bosch-Gymnasium, am Theodor-Heuss-Gymnasium oder an der Anne-Frank-Realschule.

„Blau- und Kohlmeisen haben sich dort niedergelassen ebenso wie Feldsperlinge und Gartenrotschwänze“, spricht der Orbea-Vorsitzende einer erfolgreichen Aktion. Viele Vögel, die bislang in Nischen und Fugen der Hochstraße Nord wohnten und brüteten, seien damit weggelotst werden. Die Aktivitäten sind indes auf eine langfristige Wirkung angelegt, denn das Bauwerk soll erst ab 2025 abgerissen werden.

Umweltdezernent Alexander Thewalt zeigt sich sehr erfreut über die Umzugsaktion. Gleichwohl weist er darauf hin, dass es für die Vogelwelt wegen des Klimawandels hierzulande immer schwieriger werde. „Viele kommen drei bis fünf Wochen früher aus den Überwinterungsgebieten nach Deutschland als bislang üblich, zu dieser Jahreszeit blühen aber manche Bäume noch nicht, auch Insekten fehlen.“

Seit sechs Jahrzehnten unterstützt der Orbea-Arbeitskreis die Vogelwelt in Ludwigshafen und hat seitdem 1100 künstliche Nisthöhlen aufgehängt – teilweise mit erstaunlicher Resonanz. Eisele berichtet etwa von einer Baumhummel, die sich dort niedergelassen habe. Auf einem begrünten Dach in Oggersheim-West seien 16 Kiebitz-Brutpaare heimisch geworden. Diese Kolonie werde nun von einem Team der FH Bingen wissenschaftlich untersucht.

Als Bereicherung stuft die städtische Bereichsleiterin Gabriele Bindert die Orbea-Tätigkeit ein. „Die Mitglieder helfen bei Vogelschutzaktionen und Führungen im Wildpark.“ Bisweilen übernehmen sie Unangenehmeres. Sie haben etwa den Bürgern die Notwendigkeit der Rodung in der Ebertstraße erläutert.

Zum Thema