Ludwigshafen

Stadtmuseum Ausstellung zum 125. Geburtstag von Filmemacher Wilhelm „William“ Dieterle

Vom Hemshof nach Hollywood

Archivartikel

Ludwigshafen.Alles begann im Hemshof: Dort wurde der Sohn des Fabrikarbeiters Jakob Dieterle am 15. Juli des Jahres 1893 als eines von neun Kindern geboren. „Nach einer kurzen Volksschulausbildung beugte sich dann der junge Wilhelm dem Wunsch der Familie, einen anständigen Beruf zu erlernen – nämlich das Handwerk des Schreiners“, erläuterte Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg den Zuhörern bei einer Ausstellungseröffnung im Stadtmuseum. „Aber da hatte ihn bereits der Traum erfasst, Schauspieler zu werden“, fügte die Kulturdezernentin hinzu.

Wilhelm setzte diesen Traum in die Tat um: Er wurde Schauspieler, im Film und am Theater, später auch Regisseur. 1930 folgte er dem Ruf der Produktionsfirma Warner Bros. nach Hollywood, wo er Filme wie „Der Glöckner von Notre Dame“ oder das Oscar-gekrönte Werk „Das Leben des Emile Zola“ drehte. Dort erinnert heute noch ein Stern auf dem berühmten „Walk of Fame“ an „William“ Dieterle, wie die anglisierte Form seines Vornamens lautete.

Zum 125. Geburtstag des Filmemachers gedachte diesseits des Atlantiks das Stadtmuseum Ludwigshafen in seiner Reihe „Töchter und Söhne der Stadt“ des 1972 in der Nähe von München verstorbenen Künstlers – mit einer dreitägigen Veranstaltungsreihe, die ihren Fokus auf die Zeit bis zu Dieterles Weggang nach Hollywood legte.

Bis 28. Juli zu sehen

Teil des Programms war eine von den Musikern Erwin Ditzner und Paata Demurishvili („DD duo“) live vertonte Vorführung von Dieterles Stummfilm „Ludwig der Zweite, König von Bayern“ im Kulturzentrum „dasHaus“ sowie eine musikalische Matinée mit dem szenischen Chor „Die Böhmer Stadtmusikanten“ im Wilhelm-Hack-Museum.

Begleitet wird das Programm von einer kleinen Ausstellung, die noch bis zum 28. Juli im Stadtmuseum zu sehen ist. Diese Schau, die auf zehn Stellwand-Seiten Schlaglichter auf seine Biografie und Karriere wirft, sei gleichsam ein Auszug aus einer Sonderausstellung, die 1993 zum 100. Geburtstag Dieterles konzipiert worden war, wie Stadtmuseumsleiterin Regina Heilmann berichtet.

In jenem Jahr habe das Stadtarchiv einen großen Teil des Nachlasses von Dieterle aufgekauft. Herbert Baum hatte damals an dieser Ausstellung mitgewirkt. Beim gut besuchten Eröffnungsabend im Stadtmuseum hielt er einen Vortrag mit dem Titel „Wilhelm Dieterle: Vom Arbeitersohn nach Hollywood“, in dem er den Werdegang des Filmemachers bis zu dessen Tod kenntnisreich nachzeichnete.

Dokumentarfilm angeregt

Baum war vor seinem Ruhestand als Mitarbeiter des Ernst-Bloch-Zentrums von 1994 bis 2011 für das Themenspektrum Wilhelm Dieterle zuständig gewesen. Bei einer folgenden Fragerunde regte Besucher David Dietrich, seinerseits Medienpädagoge und Filmemacher, an, Dieterles Filmklassiker zu restaurieren. Der Ludwigshafener richtete überdies die Frage an die Stadt, ob Interesse bestehe, einen Dieterle-Dokumentarfilm zu drehen.

Er selbst habe mit seiner Crew „New Indians“ einen Film zum Thema 1250 Jahre Stadtgeschichte Schwetzingen gemacht, der demnächst Premiere feiere. „Wir haben großes Interesse an einer solchen Produktion, weil wir uns auf die Wurzeln hier in der Region beziehen“, sagte er.