Ludwigshafen

Sozialarbeit Wissenschaftler stellen Studie zum Projekt Frühe Beratung und Intervention Strafunmündige vor

„Vorbild für viele andere Städte“

Ludwigshafen.„Wenn es FIBS noch nicht gäbe, müsste man es erfinden“, lautet das Fazit von Heinz Müller am Ende seines Vortrags vor den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses. FIBS ist die Abkürzung für „Frühe Beratung und Intervention Strafunmündige“, ein Projekt der Stadt Ludwigshafen, mit dem straffällige Kinder und Jugendliche so früh wie möglich auf den Pfad des Rechts zurückgeholt werden sollen. Dieses Projekt hat Müller, Geschäftsführer des Instituts für Sozialpädagogische Forschung aus Mainz, gemeinsam mit Bernd Holthusen vom Deutschen Jugendinstitut in München untersucht – und diese Ergebnisse am Mittwoch vor dem Gremium vorgestellt. Die gesamte Studie ist ab Donnerstag auf der Webseite der Stadt Ludwigshafen zu finden.

Das Fazit der beiden Sozialwissenschaftler fällt durchweg positiv aus: „Das Besondere ist die breite Verflechtung der unterschiedlichen Institutionen“, sagt Müller. Beim FIBS arbeiten Polizei, Jugendamt und Sozialarbeit Hand in Hand. Etwa indem die Polizei die städtischen Behörden wöchentlich über straffällig gewordene Kinder und Jugendliche benachrichtigt. Auf Basis dieser Informationen setzen die Sozialarbeiter sich mit den Eltern in Kontakt und versuchen, gemeinsam mit ihnen und den Kindern Lösungen zu erarbeiten. „Das ist ein ganz wichtiger Teil der Prävention“, sagt Müller. „Damit ist Ludwigshafen ein Vorbild für viele andere Städte“, ergänzt Holthusen.

Laut Müller ist es „normal, dass Heranwachsende auffällig werden“. „Umso wichtiger ist es, so früh wie möglich gegenzusteuern und klarzumachen, wo die Grenzen liegen.“ Mitunter sei das nicht einfach – die Studie zeige allerdings, dass dies in den meisten Fällen ganz gut gelinge: So würden etwa zwei Drittel der Kinder nur einmal auffällig – und 80 Prozent der Eltern fanden das Unterstützungsangebot hilfreich.

Erfasst wurden für die Studie alle FIBS-Fälle von Januar 2011 bis März 2012 – insgesamt 488 strafbare Handlungen von 380 so genannten Strafunmündigen. Das entspricht 1,8 Prozent der Kinder unter 14 Jahren. „Das ist eine nicht zu vernachlässigende Zahl, aber andererseits fallen über 98 Prozent nicht auf – das ist ein guter Wert“, so Müller.