Ludwigshafen

Pfalzbau Spezialprogramm zu den Festtagen bietet in zwei Stunden sehr kurzweilige und abwechslungsreiche Unterhaltung

Weihnachtsglanz durch Krippenpuppen

Archivartikel

Ludwigshafen.Es sind die zauberhaften Krippenpuppen von Ulla Kaub aus Bornheim, die an diesem Abend im Pfalzbau den Unterschied machen. Denn jene herrlich ausstaffierten Puppen spenden dem Weihnachts-Spezial der heiß geliebten Reihe „Wort und Wein“ einen Glanz, der bis ins Detail besticht – und sogar den Hausherren und Intendanten Tilman Gersch zum Staunen bringt. Im Bornheimer Krippendorf sind die handgemachten Einzelstücke noch bis zum 6. Januar zu bestaunen. Es ist allerdings schade, dass diese erfahrene Dame nicht mehr Zeit bekommt, um über ihre kuriose Kindheit zwischen einer riesigen Keramikbadewanne und noch größeren Weihnachtstannen auf Schloss Ludwigshöhe zu erzählen.

Spurt durch die Genüsse

Denn bei aller Besinnlichkeit, die das junge Musical-Ensemble des Pfalzbaus immer wieder mit Beiträgen aus der aktuellen Produktion „Honk“, aber auch aus dem adventlichen Traditionsrepertoire feilbietet: Die zwei Stunden sind ein rechter Spurt durch die Genüsse zwischen Literatur, Sprache und edlen Tropfen. Der siebenjährige Toni Lenz, selbst einer der jüngsten Akteure im Pfalzbau, trägt es noch mit Fassung. Dass Knecht Ruprecht seine ganze Klasse beim Flöten mit tosendem Gepolter stört, erzählt der junge Mann in aller Ruhe, um kurz darauf ein lauthals-überzeugendes „O Tannenbaum“ freizulassen.

Deutlich prägnanter muss es Ludwigshafens stellvertretender Stadtfeuerwehrinspektor Jochen Hummel halten. Um das 100. Jubiläum der Berufsfeuerwehr in diesem Jahr zu resümieren und über die Gefahren zwischen Toten und Traumata zu sprechen, hat der überzeugte Brandbekämpfer lediglich ganze vier Minuten Zeit. Da bleibt selbst dem routinierten Profi am Ende nur noch, wirklich jedem Weihnachtsbaumbesitzer im Brandfall dringend von Pulverlöschern abzuraten: „Sonst putzen Sie im nächsten Jahr noch!“

Zumindest bei der Winzerin Carolin Bergdolt aus Duttweiler kann von Kürze die Rede nicht sein. Das Weingut besitzt die Familie seit 1754, und selbst die ökologisch ausgebauten und wöchentlich gespritzten Reben spenden einen Saft, der Jahre auf der Hefe liegt, ehe die ersten Flaschen in die Regale wandern. Dementsprechend prägnant sind die Bergdolt-Weine im Geschmack und bleiben doch unverfälschte Originale. Was man auch von Ibrahim Yetkin sagen kann, der nicht nur den „Treff International“ prächtig vertritt, sondern mit seinem Bekenntnis als Weihnachtsbaumkäufer auch die Kluft zwischen Christen und Muslimen progressiv schließt. Mit Verweis auf die „wirklich schwere arabische Sprache“ kann sich Yetkin eine satirische Spitze dann aber doch nicht verkneifen: „Manche glauben ja, der Prophet sei Erdogan – ich kann Sie beruhigen, diese Menschen können den Koran einfach nicht lesen.“

Die Einwürfe zwischen Theodor Storm und Hans-Christian Anders bleiben am Ende ebenso Episode wie Beate Czodrowskis sozial bedeutende Familienarbeit im Caritas-Zentrum. Ein bittersüßer Abend im Rausch der Weihnacht.