Ludwigshafen

Friedenskirche Blasorchester spielt Sinfonie zu „Herr der Ringe“

Weltliteratur in Musik übersetzt

Archivartikel

Ludwigshafen.„Wir haben vier Monate lang auf diesen Abend hin geprobt. Der nicht enden wollende Applaus tut gut“, freute sich Dirigent Dorian Wagner über den Beifall des jubelnden Publikums am Ende des Konzerts. In der evangelischen Friedenskirche im Stadtteil Ludwigshafen-Friesenheim ließ das Sinfonische Blasorchester, das aktuell sein 50. Jubiläum feiert, fantastische Weltliteratur und schillernde Kinoatmosphäre auferstehen, indem es die literarische Sinfonie „Der Herr der Ringe“ des holländischen Komponisten Johan de Meij spielte. Zwischen den fünf Sätzen trug der Vorleser Sebastian W. Wagner Textpassagen aus dem Roman „Der Herr der Ringe“ von Tolkien vor.

Zur Eröffnung durfte die Sängerin Clenda Sabrina Lahr den filmischen Song „Into The West“ von Howard Shore anstimmen. Beim anschließenden Hauptgegenstand des Abends in der voll besetzten Friedenskirche handelte es sich jedoch nicht, wie Dirigent Dorian Wagner betonte, um die Aufführung der orchestralen Filmmusik der Hollywood-Verfilmung von „Der Herr der Ringe“ von Regisseur Peter Jackson. „Diese Sinfonie von Komponist Johan de Meij ist aus dem Jahre 1988, lange bevor die Kinofilme erschienen“, erklärte Wagner. Jener holländische Komponist hatte sich damals mit dem Roman zum Studium hingesetzt und anhand des reinen Textes ein opulentes Orchesterwerk für die darin geschilderten Handlungen geschaffen – eine geistig-musikalische Meisterleistung.

Tolkiens Roman „Der Herr der Ringe“ gehört auch zu den Lieblingsbüchern des TV-Literaturkritikers Denis Scheck, der eine Schwäche für Fantasy-Bücher hat. Mit seinem Vortrag lieferte Vorleser Sebastian W. Wagner eine Beschreibung des Zauberers Gandalf. In der Friedenskirche, die eine Atmosphäre wie ein mondäner Theatersaal besitzt, erfüllten die Musiker die fünf Sätze der dazugehörigen Sinfonie mit Titeln wie „Gandalf, der Zauberer“ und „Lothlorien, der Elbenwald“ mit Leben: Mal klang das Ensemble mit seinem galoppierenden Trommelrhythmus wie ein Heer von Soldaten hoch zu Pferde, dann wieder dunkel klirrend wie ein finsterer Märchenwald. Oder die Trompeten riefen lautstark zur Kirchendecke hin.

Zeichnungen im Programmheft

In einer Szene imitierte Perkussionist Alexander Weick das Läuten von Kirchenglocken, indem er mit zwei Hämmern auf silberne Röhrenglocken einschlug. Es handelt sich dabei um eine teure Neuanschaffung des Sinfonischen Blasorchesters Ludwigshafen. „Die Röhrenglocken haben wir vor zwei Wochen geliefert bekommen“, erläuterte Dorian Wagner, der als Musiklehrer am Otto-Hahn-Gymnasium in Landau unterrichtet. „Dieses Instrument hat einen Wert von über 10 000 Euro“, verriet der 33-Jährige. Im Programmheft sind Zeichnungen von Figuren aus „Der Herr der Ringe“ abgedruckt, die von Illustrator Alexander Hoecker stammen – eigens für das Sinfonische Blasorchester.