Ludwigshafen

Reformationstag Die designierte Kirchenpräsidentin predigt in Ludwigshafen auch zum Umgang mit der Corona-Pandemie

Wüst reagiert auf Kritik an „ihrer“ Kirche

Archivartikel

Ludwigshafen.Ganz im Zeichen von Covid-19 stand der diesjährige Gottesdienst zum Reformationstag in der Apostelkirche. „Vieles ist inzwischen anders“, stellte Dekanin Barbara Kohlstruck zur Begrüßung fest. Seit acht Monaten bestimme die Pandemie unseren Alltag „auf eine Weise, die wir uns nie hätten träumen lassen“. Gemeinsames Singen und menschliche Nähe, bis dato Grundlagen kirchlichen Lebens, würden auf einmal zur Gefahr, so die Dekanin des Kirchenbezirks Ludwigshafen. Ähnlich äußerte sich Dorothee Wüst, deren Predigt in der Rohrlachstraße mit Spannung erwartet worden war.

Die Oberkirchenrätin ist designierte Präsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, nachdem sie am 19. September von der Synode zur Nachfolgerin von Christian Schad gewählt wurde. Wüst, die ihr Amt im März antritt, setzte die derzeitige Gesundheitskrise in einen Kontext zur Reformation, um die es für die Protestanten „immer wieder gehe“. Ständig müsse die Kirche bereit sein zum Wandel, dies habe uns Martin Luther ins Stammbuch geschrieben. Mit seinen Thesen habe der Reformator 1517 den Finger in eine offene Wunde gelegt – und die richtigen Instrumente genutzt, indem er als Öffentlichkeit die Tür der Wittenberger Schlosskirche wählte.

Mit Blick auf die Gegenwart bekannte die Theologin: „Ich spüre Ermüdung, Frustration und jede Menge Angst“. Das Durchhalten ziehe sich hin, das Virus kenne keine Grenzen und sei auch nicht mit herkömmlichen Waffen zu bezwingen. Dies habe die Gesellschaft in eine Situation gebracht, „die wir so nicht kannten“. Als Interessenkonflikt stellte Wüst der Gesundheit die Einschränkungen und „sehr realen Existenznöte“ gegenüber.

Ein Hauch von Zuversicht

Wie schon Barbara Kohlstruck ging Dorothee Wüst auf die mitunter aufkeimende Kritik an ihrer Kirche ein, wonach man allzu beflissentlich die staatlich vorgegebenen Regeln befolge – anstatt menschliche Nähe zu gewähren. Aus Sicht der beiden Frauen verzichtet die Kirche nur deswegen auf vermeintliche Vorrechte, weil sie „dem Leben Priorität“ einräume und somit Verantwortung übe. Körperliche Distanz müsse zudem keinesfalls einhergehen mit geistlicher Distanz, was sich in Online-Gottesdiensten und Telefonandachten gezeigt habe. So war es nur folgerichtig, dass auch die Veranstaltung in der Apostelkirche auf mehreren Kanälen im Internet übertragen wurde.

Die Lesung aus dem Matthäus-Evangelium oblag Ingrid Mechnich, Presbyterin der Jona-Kirchengemeinde, für Orgel und Klavier zeichnete Bezirkskantor Tobias Martin verantwortlich, der auch das Nachspiel von Ralf A. Franz zu „Ein feste Burg ist unser Gott“ darbot. Den vorangehenden Sologesang präsentierte die Sopranistin Stefanie Freiburg.

Dass man mit Gott ein Fundament habe, das auch in herausfordernden Zeiten standhält, war denn auch die tröstliche Botschaft von Dorothee Wüst. So erlebten die nur in begrenzter Anzahl zugelassenen Besucher einen Gottesdienst, der trotz der schwierigen Lage einen Hauch von Zuversicht versprühte.

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