Ludwigshafen

Soziales Kindertagesstätte Karl Krämer feiert Geburtstag / Typisierung für die leukämiekranke Emilia

Zehn Jahre voller Erinnerung

Archivartikel

Ludwigshafen.„Wir sind zehn Jahre alt – und doch jung geblieben“, fasst es Silvia Jochem zusammen. Es könnte treffender kaum umschrieben haben, was an diesem gestrigen Nachmittag in der Kindertagesstätte Karl Krämer vor sich geht. Die Einrichtungsleiterin verliert nur ein paar Grußworte, dann nehmen zahllose Eltern bereitwillig das Kuchenbuffet in Beschlag und inspizieren die Fotowand samt dem Jahrzehnt lokaler Erziehungsgeschichte.

Man sei kein Kleinkind mehr, und doch flexibel genug für Veränderung, wie Silvia Jochem es im „MM“-Gespräch erzählt und dabei auch auf eine bewegte Geschichte vor Ort zurückblickt: Von all den Umbauten der Einrichtung aus Yogastudio und Musikschule, von den Baustellen, die die Kita-Eltern so manches Mal an den Rand des Wahnsinns trieben. Damals war Jochem, die die Einrichtung seit einem Jahr leitet, noch nicht vor Ort, doch sieht sie die Entwicklung positiv: „Das Leben in Ludwigshafen-Süd hat sich prächtig entwickelt, und immer mehr Familien sind in unseren Stadtteil gezogen.“

In kleinen Gruppen aktiv

So wie Barbara Vogelmann und ihr Nachwuchs. Die Fördervereinsvorsitzende hat derzeit zwei Kinder in der Kita Karl Krämer und weiß ganz genau, was sie an der Struktur so schätzt: „Dass Kinder hier kein starres Programm vor sich haben, sondern in kleinen Gruppen mit klaren Ansprechpartnern darauf geachtet wird, was die Kinder wirklich wollen, finde ich unglaublich wertvoll.“ Dass sich Vogelmann, die die Leiterinnen mit 82 Eltern unterstützt und sich so manches Mitglied mehr im Verein wünschen würde, lässt sie zwar nicht außen vor, betont aber: „Wenn die Dinge hier so weiter laufen, wie sie im Moment geschehen, ist alles wunderbar.“

Vom Butter stampfen über das Kräuter ziehen bis hin zur Nutzung der Kneipp-Anlage wird hier auf ein System geachtet, das Selbstständigkeit ermöglicht und durch Kooperationen wie mit der Ludwig-Wolker-Freizeitstätte Vielfalt wahrt. Diesen Ansatz preist Ortsvorsteher Christoph Heller mitsamt dem Straßenfest, das die Kita jährlich mit der Stadtmission und dem Verein „Familie in Bewegung“ veranstaltet, unumwunden als „großartig“.

Trotz aller Sonnenseiten, über die sich Eltern wie Kinder und Pädagogen sichtlich freuen, sollte auch der Schatten nicht vergessen werden, der sich bisweilen auf das Leben legen kann. Denn während Kinderliedermacher Matthias Linssen draußen im Park für Stimmung bei den Kleinen sorgt, wartet Vater René K. im ersten Stock mit Ruben Römer von der Deutschen Stammzellspenderdatei auf jeden, die sich typisieren lassen will. Sechs Wochen ist es her, dass seine dreijährige Tochter Emilia die Diagnose Akute Myeloische Leukämie (AML) erhielt. Diese schwere Form des Blutkrebs bedroht das Leben seiner Tochter, die seither gemeinsam mit den Eltern ein Leben zwischen Zuhause und Krankenhaus führt – und dringend auf eine Stammzellenspende angewiesen ist.

Dass der Kindergarten, in dem sie vor einigen Wochen noch spielte, sich nun bereiterklärt hat, die Spendenaktion auszurichten: Für den Vater eine große Geste. „Man schwebt immer zwischen Angst und Hoffnung, doch wenn solche Aktionen wie diese hier stattfinden dürfen, ist das natürlich ein unglaubliches Geschenk“, fasst der Familienvater zusammen. Zwar sind weitere Typisierungsaktionen mit den Eulen Ludwigshafen und der SAP schon fest verabredet, doch weiß auch René K.: Jeder registrierte Spender könnte der Richtige sein. Oder um es mit den Worten von Silvia Jochem zu sagen: „Es wäre herrlich, wenn für die Kleine und ihre Familie aus Hoffnung wieder Freude werden dürfte.“