Ludwigshafen

Ludwigshafen Rund 2500 Menschen bei Kundgebung auf dem Theaterplatz / Innenstadt teilweise lahmgelegt / Folgen treffen Bürger und Betriebe

Zwischen Verärgerung und Unterstützung

Etwas ratlos wandert Theresia Schuberts Blick von der verwaisten Haltestelle am Berliner Platz zur Anzeigetafel. „Achtung. Streik im Verkehrsgebiet der RNV“ flimmert dort in orangefarbenen Buchstaben über das Schwarz. „Das ist aber blöd“, sagt die 72-Jährige. Sie sei auf dem Weg nach Maxdorf zu einer Geburtstagsfeier. Dass Busse und Bahnen wegen des Streiks im Betriebshof bleiben, habe sie nicht gewusst. Anderen geht es ähnlich. Nach kurzer Zeit hat sich eine Gruppe gebildet, in der angeregt diskutiert wird. Verständnis haben die wenigsten.

Die Auswirkungen des Arbeitskampfs im öffentlichen Dienst sind in Ludwigshafen an diesem Vormittag kaum zu übersehen. Die Straßen sind verstopft, vor den Parkhäusern reihen sich Autos aneinander. Gruppen ziehen mit Verdi-Fahnen zum Pfalzbau, wo ab 10 Uhr eine Kundgebung steigt. Rund 2500 Streikende von Kliniken, Verwaltung, Kitas, Wirtschaftsbetrieben, Arbeitsagenturen und Sparkassen sind gekommen, nicht nur aus Ludwigshafen, sondern der ganzen Pfalz. Um 11.20 Uhr tritt Verdi-Chef Frank Bsirske ans Mikrofon. Wegen des dichten Verkehrs musste er einen Teil des Weges zwischen den Kundgebungsorten in Mannheim und Ludwigshafen zu Fuß gehen. Auch Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) steht vor der Bühne, um ihre Wertschätzung für die städtischen Mitarbeiter auszudrücken. „Das Streikrecht ist im Grundrecht verankert“, sagt sie. Ihr sei es wichtig, motivierte Angestellte zu haben, wofür eine faire Bezahlung essenziell sei. Zwar belasteten höhere Gehälter den Haushalt, „aber ich werde meine Prinzipien nicht aufgeben, nur weil ich jetzt auf der anderen Seite stehe“, so die frühere DGB-Regionsvorsitzende.

Im Rathaus ist vom Streik wenig zu spüren. „Die Bürger wurden informiert. Bislang mussten wir kaum jemanden nach Hause schicken“, sagt eine Mitarbeiterin am Empfang. Anders ist die Stimmungslage beim Friseursalon Jung in der Ludwigstraße. „Wir stehen uns die Beine in den Bauch, weil viele Kunden ihre Termine abgesagt haben“, sagt eine Friseurin, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Gerade die Älteren haben keine Alternative zu Bus oder Bahn“, sagt sie. Trotzdem habe sie Verständnis für die Menschen auf der Straße. „In Sachen Bezahlung würde sich ja sonst nichts tun.“

Theresia Schubert muss ihre Pläne für diesen Tag umwerfen. Eine Verbindung nach Maxdorf bleibt aus. Dafür erscheint ein Bus, der in ihren Wohnhort Mutterstadt fährt, von wo aus sie am Morgen auch gekommen war. „Ich gehe nach Hause. Vielleicht finde ich noch jemanden, der mich zu der Feier fährt“, sagt sie.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/ludwigshafen

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