Maimarkt

Tag der Unternehmerfrauen Weibliche Auszubildende im Handwerk sind klar in der Unterzahl / Arbeitskreis bietet Informationen für Mitarbeiterinnen

„Viele sagen mir, toll, dass du das als Frau machst“

Archivartikel

Mannheim.Mit sicherer Hand schneidet Nele Neidig Schieferplatten – als erste und einzige Frau im Dachdecker- und Spenglerbetrieb Neidig macht sie gerade ein Vorpraktikum für ihre Ausbildung. „Ich werde total angenommen und gleichwertig behandelt.“ Neidig ist die Ausnahme, in vielen Handwerksberufen packen nur Männer mit an. Rund 20 bis 25 Prozent der Lehrlinge im Bezirk der Handwerkskammer Mannheim seien Frauen, sagte Detlev Michalke, Sprecher der Kammer. Das habe sich in den vergangenen Jahren auch nicht verändert, bedauert er. „Wir hätten gerne mehr Frauen, aber bis das sich das ändert, müsste ein kleines Wunder geschehen.“ Ursache dafür seien die Geschlechterrollen, mit denen sich die Menschen identifizieren: „Die Interessen der Frauen sind anders“. Wie viele Frauen in der Branche beschäftigt sind, kann er nicht sagen.

Christian Berg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Mannheim, schätzt die Möglichkeiten für Frauen jedoch gut ein: „Aufgrund des Fachkräftemangels sind die Chancen erheblich gestiegen.“ Auch die klassischen Rollenbilder lösen sich ihm zufolge auf: „Das Handwerk ist ein konservativer Beruf, das hat sich aber gewandelt, die Chancen sind aufgrund des gesellschaftlichen Wandels besser geworden.“ Auch Nele Neidig fühlt sich von der Gesellschaft akzeptiert: „Viele sagen mir, toll, dass du das als Frau machst.“

Fotografin Helen Wichert hat sich vor zweieinhalb Jahren selbstständig gemacht. „Es ist ein extrem Männer dominierter Beruf“. Insbesondere die alteingesessenen und die Hobbyfotografen seien männlich. Bei ihrer Ausbildung sei das Verhältnis ungefähr ausgeglichen gewesen. Sie kenne aber kaum andere Selbstständige. „Als Frau ist es dann besonders schwierig, Familie und Beruf zu vereinen.“

Frauen in der Branche können sich an den Arbeitskreis der Unternehmerfrauen wenden, der gestern auf dem Maimarkt vertreten war. „Wir bieten Weiterbildungen zu allem, was mit dem Handwerk zu tun hat,“ sagt Ruth Schneider, Vorsitzende des Arbeitskreises in Heidelberg. Dabei gehe es beispielsweise um Kunden, die nicht zahlen wollen, aber auch darum, wie man sich gegenüber Männern durchsetzt.