Mannheim

„2018 bestätigt den Trend“

Archivartikel

Andreas Pfaffenzeller, Meteorologe beim Deutschen Wetter-dienst, über das Jahr

Herr Pfaffenzeller, 2018 war das wärmste Jahr, das die Menschen jemals in Mannheim seit Beginn der Aufzeichnungen 1947 erlebt haben. Ein Rekord, der deutschlandweit zu verzeichnen war. Wie kommt er zustande?

Andreas Pfaffenzeller: Viele Westwetterlagen im Januar mit milder Atlantikluft führten zum Rekord im Januar und bei nur einer kurzen Kältephase Ende Februar zu einem deutlich zu warmen Jahresbeginn. Der Rekord-Januar, die sehr sonnigen und viel zu warmen Frühling und Herbst sowie der Fast-Rekordsommer führten zum Rekordjahr 2018. Hauptgrund war die nicht enden wollende Warmluftphase von Mitte April bis Mitte Oktober. Entgegen einem „normalen Jahr“ fehlten die in dieser Zeit – Frühling und Herbst – typischen Kaltlufteinbrüche aus Norden und Nordwesten fast vollständig.

Sind das bereits Anzeichen eines globalen Klimawandels?

Pfaffenzeller: Ja, 2018 bestätigt den Trend zu höheren Temperaturen, wenn auch nicht jedes Jahr eine so starke Abweichung zeigen muss und auch kalte Jahre nicht ausgeschlossen werden können. Die 70-jährige Messreihe zeigt, dass die fünf wärmsten Jahre mit einer Ausnahme nach 2000 aufgetreten sind.

Bekommen wir also in den kommenden Jahren italienisches Wetter?

Pfaffenzeller: Die Wahrscheinlichkeit für warme Jahre (wärmer als das Mittel) ist hoch, und oft liegen die Jahre nun schon deutlich über dem Mittel 1961 bis 1990. 2018 brachte annähernd norditalienische Verhältnisse. Das Temperaturniveau liegt ansonsten in Italien (1961-1990) meist nochmals deutlich etwa zwei bis fünf Grad höher. Ob sich das die kommenden Jahre in diesem Ausmaß wiederholt, ist nicht abzuschätzen, jedoch weist meist ein Trend Höhen und Tiefen auf. mai