Mannheim

Soziales Kinderschutzbund sucht ehrenamtliche Frauen und Männer / Info-Abend am 11. November / Qualifizierung umfasst 50 Stunden Unterricht

23 Eltern mit Kindern warten auf Familienpaten

„Wenn wir durch den Wald gehen, dann redet er sich von der Seele, was ihn bewegt“, sagt Oliver Mauritz, der zum ehrenamtlichen Team des Kinderschutzbunds gehört. „Er“ meint einen Jugendlichen, dem Zuhause niemand zuhört – weil die Mutter Mühe hat, den Alltag zu bewältigen. Die „Lobby für Kinder“ sucht dringend Männer wie Frauen, die bereit sind, Familien Zeit zu schenken, Entlastung zu bieten, Zuspruch zu geben und Stärken zu fördern.

Als Mauritz vor drei Jahren im „MM“ über das 2013 gestartete Projekt gelesen hat, meldete er sich beim Kinderschutzbund und absolvierte eine Schulung als Familienpate. „All die Begegnungen und Erfahrungen möchte ich nicht missen!“ Natürlich sei das Ehrenamt auch anstrengend, räumt Mauritz ein und erzählt von einem Achtjährigen, der mit seiner Wut über den abwesenden Vater nicht umzugehen wusste. „Aber man bekommt auch viel zurück“, sagt der Familienpate.

Margret Courtin nickt zustimmend. Bei ihrem ersten Einsatz als Patin war sie für einen kleinen Bub so etwas wie eine Ersatzoma. Die Mama des zu früh geborenen Jungen schätzte nicht nur den wöchentlichen Freiraum. „Die Möglichkeit, sich auszutauschen, neue Sichtweisen kennenzulernen“, empfinde sie als „großes Geschenk“, betonte die Alleinerziehende in einem Gespräch mit dem „MM“. Nach einer Familie, bei der sich nach Zwillingen noch einmal Drillinge eingestellt hatten – „die Mutter war rund um die Uhr mit Wickeln und Füttern der drei Kleinen beschäftigt, weshalb ich mich um die zwei Größeren gekümmert habe“ – betreut Courtin ein kleines Mädchen. Dessen Mama muss nach einem schweren Unfall mit gesundheitlichen Folgen und einem veränderten Leben klar kommen. Auch bei der aktuellen Patenschaft geht es um mehr als wöchentliches Kinderhüten.

Weil Familienpatenschaften neben Lebenserfahrung auch sozialpädagogische Kenntnisse erfordern, ist eine 50 Stunden umfassende Qualifizierung unerlässlich. Außerdem unterstützen die Projekt-Koordinatorinnen Annette Stocker und Julia Schahn während einer Betreuung, die meist über mehrere Monate bis zu eineinhalb Jahren läuft. Üblicherweise machen soziale Partner, das Jugendamt oder (Kinder-)Ärzte auf das Angebot aufmerksam. Obwohl sich 16 geschulte Paten (davon 13 weiblich) engagieren, stehen auf der Warteliste 23 Familien beziehungsweise Alleinerziehende mit schwieriger Alltagssituation. „Der Bedarf ist riesig“, betont Iris Krämer als Vorsitzende des Mannheimer Kinderschutzbundes. Im Domizil an der Kunststraße (N 3,7) gibt es am 11. November, 18 Uhr, einen Info-Abend. Um Voranmeldung wird telefonisch (0621/22011) oder per E-Mail an info@kinderschutzbund-mannheim.de gebeten. wam

Zum Thema