Mannheim

SVW verliert gegen Uerdingen

45 Verletzte, zehn Festnahmen: Polizei meldet weitere Randale nach Spielabbruch

Archivartikel

Mannheim.Rund um das Relegationsrückspiel zwischen dem SV Waldhof und dem KFC Uerdingen ist es am Sonntag in Mannheim zu zahlreichen Ausschreitungen gekommen. Wie die Polizei am späten Abend mitteilte, wurden dabei insgesamt 45 Personen verletzt, davon sechs Polizeibeamte. Von einem verletzten Kind, über das in Sozialen Netzwerken Gerüchte verbreitet wurden, war der Polizei bis Montagnachmittag indes nichts bekannt. "Wir haben nach unseren Erkenntnissen keine Anzeige vorliegen", so ein Polizeisprecher auf Nachfrage. Es habe zehn Festnahmen gegeben. Bislang seien 24 Strafanzeigen gefertigt worden, deren Zahl sich nach der Auswertung der Videoaufnahmen noch erhöhen werde, so ein Polizeisprecher. Zunächst hatte die Polizei von einer eher ruhigen Lage nach der Partie gesprochen.

Die stärksten Randale gab es jedoch nach dem Abbruch des Aufstiegsspiels: Mehrfach versuchten Waldhofanhänger zu den Gästefans vorzudringen, was aufgrund massiver Polizeipräsenz verhindert werden konnte, so der Sprecher. Um die sichere Abreise der Fanbusse aus Uerdingen zu gewährleisten, seien rund um den Gartenschauweg und dem dortigen Bereich der Theodor-Heuss-Anlage „massive Polizeikräfte“ zusammengeführt worden. Nach einer Festnahme von zwei Waldhofanhängern, die einen Ordner verletzt haben sollen, kam es dann nahe des SVW-Szenetreffs am Gartenschauweg zu Ausschreitungen.

Einsatzkräfte seien von Waldhofanhängern mit Flaschen und Gläsern beworfen worden. Auf einen Beamten, der am Boden lag, sei massiv eingetreten und gegen den Kopf sowie in den Unterleib getreten worden. Nur wegen seiner Schutzausrüstung sei er mit leichten Verletzungen davongekommen. Der Verdächtige konnte später von Einsatzkräften festgenommen werden.

Die Polizisten wurden zudem von Anhängern aus dem Szenetreff mit einer großen Mülltonne und einer Bierbank beworfen, so die Beamten. Die Randalierer seien dann „unter Anwendung von Zwangsmaßnahmen“ in den Szenetreff zurückgedrängt und der Außenbereich geräumt worden, damit die Busse aus Uerdingen abfahren konnten. Während der Abreise kam es noh zu zwei Körperverletzungsdelikten in der Nähe des Hauptbahnhofs, zwei Tatverdächtige konnten vorläufig festgenommen werden.

Am frühen Abend hatte die Polizei noch auf Nachfrage gemeldet, dass es nach dem Spielabbruch außerhalb des Carl-Benz-Stadions zunächst keine größeren Krawalle mehr gegeben habe. „Es kam zu vereinzelten Provokationen und Flaschenwürfen, auch auf Polizisten, aber wir konnten die beiden Fanlager bislang gut trennen und weitere Eskalationen verhindern“, sagte ein Sprecher der Polizei gegen 17.30 Uhr. Das Stadion habe sich geleert und die Fans seien abgereist. „Wir haben überall in der Stadt Aufklärungseinheiten, die uns melden, wo sich Fangruppen aufhalten und ob es Probleme gibt“, so der Sprecher.

Während der Partie am Sonntagmittag hatte es bereits mehrfach Ausschreitungen gegeben, die schließlich zum Spielabbruch führten. Zu Beginn wurden der Polizei zufolge in der SVW-Osttribüne Rauchtöpfe über einen längeren Zeitraum im Rahmen einer Choreographie abgebrannt. Dies sei aus dem Gästefanblock mit Böllerzündungen beantwortet worden. Während des Spiels kam es dann laut Polizei kurz nach 14.30 Uhr auf der Gästetribüne zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Anhänger des KFC Uerdingen und des SV Waldhof. Der Ordnungsdienst des Veranstalters wollte die Gruppierungen voneinander trennen, dabei wurden mehrere Ordner durch Schläge und Tritte verletzt. Erst die Polizei konnte weitere Auseinandersetzungen im Gästefanblock verhindern. Nachdem im Heimblock wahrgenommen worden war, dass es im Gästebereich zu Ausschreitungen kam, hätten etwa 80 zum Teil vermummte Waldhofanhänger versucht, hinter der Nord- sowie hinter der Süd-Tribüne vorbei an den Gästeblock zu gelangen. „Beides wurde durch starke Polizeikräfte verhindert“, so der Sprecher. Kurz vor 15.30 Uhr sei im Gästebereich dann sechsmal Pyrotechnik gezündet worden.

Ab der 76. Spielminute kam es nach Angaben der Polizei schließlich  zu Provokationen und Pöbeleinen von Waldhofanhängern in Richtung Gästetribüne. Beim Spielstand von 1:2 wurde gegen 15.45 Uhr von der Osttribüne, in der Anhänger des SV Waldhof standen, massiv Pyrotechnik abgebrannt und teilweise auf das Spielfeld verschossen. Es handelte sich um sogenannte bengalische Feuer, Rauchtöpfe, Silvesterleuchtraketen und Böller, so die Polizei. Ein Ordner wurde dabei verletzt. „Unter der Berücksichtigung von Verhältnismäßigkeitsgrundsätzen und Abwägung verschiedenster möglicher Einsatzszenarien entschloss sich der Polizeiführer dazu, keine aktive Intervention auf der Osttribüne durchzuführen“, verteidigte der Polizeisprecher die Kritik am zurückhaltenden Einsatz der Polizei in dieser Szene. Das Aufstiegsspiel wurde schließlich wegen der Ausschreitungen abgebrochen.

Bereits vor der Partie wollten sich auf einem  Fanmarsch etwa 60 Personen in Richtung Gästeparkplatz absetzen, so die Polizei. Dies hätten die Beamten mit dem Einsatz von Pfefferspray verhindert. Ein Fanbus des KFC Uerdingen, der von der vorgegebenen Route abgewichen war,  sei außerdem kurz vor dem SVW-Szenetreff von Waldhof-Fans attackiert worden. Ein KFC-Fan erlitt bei dem Vorfall eine Platzwunde am Kopf, so die Polizei.

Der Aufstieg des KFC Uerdingen in die 3. Fußball-Liga steht derweil noch unter Vorbehalt. Nach dem Abbruch des Aufstiegsspiels bei Waldhof Mannheim am Sonntag müsse das DFB-Sportgericht über die endgültige Wertung der Partie entscheiden, teilte der Deutsche Fußball-Bund am Sonntag mit.

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