Mannheim

Öffentlicher Dienst 450 Auszubildende verlangten bei Landes-Aktionstag mehr Geld

450 Auszubildende verlangten bei Landes-Aktionstag mehr Geld

Gute Laune, aber auch Entschlossenheit und Kampfgeist bestimmten den landesweiten Jugendstreiktag. Die Abschlussveranstaltung fand nach der Demo durch die Innenstadt auf dem Alten Meßplatz statt. Laut Polizei war die Demo friedlich verlaufen, 450 Personen hatten teilgenommen. Die waren nicht nur aus Mannheim und Ludwigshafen, sondern auch aus verschiedenen Teilen Baden-Württembergs angereist.

„Was seid ihr?“ – „Unverzichtbar!“ – „Was bieten euch die Arbeitgeber an?“ – „Gar nix!“, feuerte Jürgen Lippl, Geschäftsführer Verdi Rhein-Neckar, die Demonstranten an. Trotz Maske waren die Antworten laut genug. „Die Arbeitgeber glauben, sie können sich eine gute Zukunft ersparen, doch das funktioniert nicht.“ Daher fordert Verdi für die Tarifverhandlungen am 22. Oktober für Auszubildende 100 Euro mehr im Monat, kostenlosen ÖPNV und einen Tarifvertrag für Dual-Studierende. „Mannheim hat die Jugendstreikparade erfunden, inzwischen gibt es sie bundesweit!“, verkündete Lippl und erntete erneut Applaus. Auch der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Werneke zeigte sich begeistert vom Einsatz der jungen Leute. „Bei den Arbeitgebern lässt sich ein Gedächtnisverlust feststellen. Sie haben vergessen, was die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst während der Corona-Krise geleistet haben. Die Mitarbeiter haben das Land am Laufen gehalten“, so Werneke. Ob Kitas, Krankenhäuser oder Rettungsdienste, alle hätten vollen Einsatz gezeigt. Am Anfang habe es viel Anerkennung gegeben, das Wort „systemrelevant“ habe die Runde gemacht. „Jetzt sind die Beschäftigten Kostenträger, das lassen wir uns nicht bieten!“, so Werneke.

Die Arbeitgeber haben bisher sehr zurückhaltend auf die Forderungen von Verdi reagiert, bei allem rund um das Thema Ausbildung gebe es bisher nur negative Signale, heißt es. Für die Angestellten, die die Ausbildung absolviert haben, fordert Verdi 150 Euro zusätzlich im Monat, Pflegezuschläge für Wochenenddienste und eine Arbeitszeitverkürzung. Bis zum 22. Oktober gelte es, Druck zu machen.

„Im Bereich Erziehung und Verwaltung gibt es einen Mangel an Azubis,“ so Jamie-Lee Imhof, Vorsitzende der Azubis der Stadt Mannheim. Dabei seien die die Zukunft der Verwaltung. Die Lebenshaltungskosten stiegen, jedoch nicht die Ausbildungsvergütung.

Für Freitag hat Verdi zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. In Mannheim werden an diesem Tag deshalb alle städtischen Kitas geschlossen bleiben, wie das Rathaus mitteilte. Eine Notbetreuung gebe es nicht. Auch bei der Schulkind-Betreuung werde es Einschränkungen geben, genauso wie in anderen Bereichen. Darüber hinaus ruft Verdi nach eigenen Angaben auch die Rhein-Neckar-Verkehrsbetriebe (RNV) am Freitag zum eintägigen Warnstreik „ab den frühen Morgenstunden“ auf. (mit imo)

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