Mannheim

7. Comedy Cup: Kopf-an-Kopf-Rennen im Capitol

Archivartikel

Mannheim.Welch ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim 7. Mannheimer Comedy Cup im knallvollen Capitol! Mit gerade mal drei Publikumsstimmen Vorsprung holt sich Passun Azhand die begehrte Trophäe. Der gebürtige Afghane, dessen Herz für Berlin schlägt, bringt auf der Bühne sein Tag-und-Nacht-Leben am berüchtigten „Kotti“ (Kottbusser Tor) abstrus wie authentisch und obendrein so bilderreich wie seine bunten Tattoos rüber. Dem „Kabul-Kreuzberger“ geht so einiges durch den Kopf – „Bin ich ein Baum?“ Schließlich wird er ständig nach seinen Wurzeln gefragt. Mit Witz und Selbstironie beleuchtet Passun die Suche nach Identität - ob als Moslem oder Hipster, im LSD-Rausch oder beim Treppen-Rückwärtslaufen.

In der „Profi“-Schlussrunde treten zwei weitere Kollegen auf: Thomas Müller, nein nicht der Fußballer, sondern der Komiker mit Vorleben als Sportlehrer, und Ben Schmid, studierter Philosoph mit Leidenschaft fürs Lachen. Auch wenn die Beiden mit reichlich Applaus bedacht werden, so heimst die zweitmeisten Stimmkärtchen die einzige Frau im finalen Quartett ein: Mirja Regensburg. Die langjährige Musicaldarstellerin, deren komödiantische Begabung im Bonner Impro-Theater „Springmaus“ gefördert worden ist, begeistert vor allem „die Mädels“. Endlich eine attraktive Bühnen-Frau, die sich fröhlich traut, in geräumigen „Muffin-Jeans“ zu präsentieren, mit Speckrollen wie wabbelnden Unterarmen zu kokettieren. Dass sie den Comedy Cup um drei Stimmen verpasst, nimmt die 44-Jährige aus Köln sportlich. „Mich freut, dass ich in Mannheim so super angekommen bin.“

Der vom Capitol und Kooperationspartner Radio Regenbogen organisierte Wettbewerb versteht sich auch als Talentschmiede und Sprungbrett. Nach Vorauswahl haben sechs Nachwuchs-Bewerber einen Kurz-Auftritt vor großem Publikum ergattert – verknüpft mit einem vorbereitenden Workshop: Lukas Wandke, Melanie Gerland, Halid Rizvanovic , Bastian Block, Julian Beysel und Jakob Friedrich. Statt des Publikums vergibt in der „Newcomer“ -Kategorie eine Jury die Preise. „Die Wahl ist nicht leicht gefallen“, betont Sprecher Roland Junghans, der sich rühmen kann, Bülent Ceylan entdeckt und mit ihm dessen erste Erfolgsprogramme entwickelt zu haben. Melanie Gerland (Kassel) kann kaum glauben, dass sie den „Förderpreis“ bekommt. Im Capitol hat die Kasselerin nicht nur mit schrägen Vorschlägen für eine Antirauchkampagne überzeugt. Motto: Wie wär's mit einem Plastik-Raucherbein in jeder Packung?

Das Leben liefert die besten Pointen, findet Halid Rizvanovic und modelt Alltagsgeschichten samt Sprachtücken seiner vom Balkan nach Frankfurt emigrierten „Jugo-Familie“ in Gags um. Vor Freude über den „Newcomer-Comedy Preis“ flippt der Mittler zwischen zwei Kulturen fast aus. Nach solch einem Motivationsschub sieht sich der 32-Jährige, der als Motivationscoach sein Geld verdient hat, für eine Profi-Bühnenkarriere gerüstet.

Eigentlich hätte auch das beflügelnde Publikum für seine Superstimmung einen Preis verdient. Immerhin bekommt es eine Neuigkeit verkündet: Roland Junghans will mit dem Capitol ab September eine Mannheimer Comedy-Schule aufbauen.