Mannheim

Serie „Mein Viertel“ Virtueller 360-Grad-Rundgang im Morgenweb erfordert viel Vorarbeit / Karl-Heinz Hedvizak erklärt komplexes Verfahren bei der Produktion

89 Mal Mannheim in Rundum-Ansicht

Ein schwarzes, kugelförmiges Gerät steht auf einem Stativ vor dem „MM“-Verlagsgebäude in der Dudenstraße. Auf den ersten Blick erinnert es an eine Requisite aus einem Science-Fiction-Film. Karl-Heinz Hedvizak nimmt die Blende aus Kunststoff ab, darunter kommen sechs Objektive zum Vorschein, die entlang der horizontalen Achse der 360-Grad-Kamera angebracht sind. Hedvizak bedient den Auslöser mit seinem Smartphone. Die Kamera surrt und blinkt – das 360-Grad-Foto ist aufgenommen.

89 Stationen in Mannheim hat Hedvizak im Auftrag des „MM“ für den virtuellen Rundgang „geknipst“. Die Idee entstand im Rahmen der Serie „Mein Viertel“, die seit August in den Stadtteilausgaben erscheint. Mit Hilfe digitaler Fußspuren oder anderer Navigationsmöglichkeiten, lassen sich im Rundgang sehenswerte Orte in der Quadratestadt erkunden – und das in Rundum-Ansicht. Das bedeutet, dass sich der Nutzer in allen Himmelsrichtungen im Bild umsehen kann – also einen ziemlich genauen Eindruck davon bekommt, wie es an verschiedenen Stellen der Stadt aussieht.

„Bei der 360-Grad-Fotografie gibt es vieles zu beachten“,weiß Hedvizak. Denn das Vorgehen unterscheide sich deutlich vom Aufnehmen gewöhnlicher Fotos: „Erstmal muss man sich vor Ort genau umschauen.“ Hauswände, reflektierende Schaufenster, größere Menschengruppen – das alles könne die Qualität und somit das 360-Grad-Erlebnis beeinträchtigen. Vor allem gehe es aber darum, den Standpunkt zu finden, von dem aus der Betrachter den besten Blick hat.

Digitale Fußspuren

Auch die Bearbeitung der Bilder ist speziell: Jedes Foto besteht aus sechs Einzelbildern, die jeweils mit einem Winkel von mehr als 180 Grad mit sogenannten Fischaugenobjektiven aufgezeichnet wurden. Die sechs Bilder müssen in einem speziellen Computerprogramm übereinandergelegt werden, um den 360-Grad-Eindruck möglich zu machen. „Stitchen“ nennt man das in der Fachsprache.

„Den Rundgang selbst zu bauen war die meiste Arbeit“, erklärt Hedvizak. Nachdem jedes einzelne Foto bearbeitet war, fügte er die Bilder in einem weiteren Programm zum Rundgang zusammen. Mit digitalen Fußspuren wurden die Stationen miteinander verbunden. Eine Windrose unter dem Standpunkt des Betrachters am Boden jedes Bildes dient zur Orientierung des Nutzers. Nebenbei habe Hedvizak dabei stets auf den Stadtplan geschaut, um selbst nicht die Orientierung zu verlieren. Ebenfalls verknüpfte er weitere Elemente in den Rundgang – beispielsweise einen bereits im Morgenweb veröffentlichten 360-Grad-Rundgang durch das Mannheimer Carl-Benz-Stadion. Obwohl der Mediengestalter schon sein gesamtes Leben in Mannheim ist, war dieses Projekt für ihn alles andere als langweilig. „Es war sehr spannend, Mannheim aus einer anderen Perspektive zu betrachten und all die schönen Flecken in der Stadt zu erkunden“, sagt der Mannheimer aus Casterfeld. Im Dossenwald sei er beispielsweise vorher noch nie gewesen. „Das hat mir dort sehr gut gefallen und hat mich an die Lüneburger Heide bei Hamburg erinnert.“ Der Mehrwert des Rundgangs für den Nutzer liegt für den 47-Jährigen auf der Hand: „Unser Projekt erlaubt es, dass Menschen regelrecht in die Bilder eintauchen können. Sie können Plätze sehen, die sie schon lange nicht mehr oder vielleicht noch nie gesehen haben“, sagt Hedvizak. Für Neu-Mannheimer sei der Rundgang eine schöne Sache, um die Stadt kennenlernen zu können, ohne jeden Ort persönlich besichtigen zu müssen.

Ebenfalls seien die Bilder in sehr hoher Auflösung und bei meist sommerlichem Wetter während der Hitzephase im Juli aufgenommen worden. „Das war schon eine schweißtreibende Angelegenheit“, schmunzelt Hedvizak. „Aber das gute Wetter macht den Rundgang natürlich noch attraktiver, insofern hat es sich auf jeden Fall gelohnt“.

Kein vergleichbares Projekt

Die kommerzielle Nutzung sowie die anwenderfreundliche Bearbeitung von 360-Grad-Fotos und Videos sind ein noch relativ junges Phänomen im Internet. Seit 2015 beschäftigt sich Hedvizak mit dieser Technik. „Rundgänge in 360-Grad sind oft themenbezogen, beispielsweise zeigen sie eine Ausstellung in einem Museum“. Ein vergleichbares Projekt, das durch verschiedenste Ecken einer Stadt führt, hat der 47-Jährige bislang noch nicht gesehen. Hedvizak ist überzeugt: „Das ist schon etwas Einzigartiges“.

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