Mannheim

Schulabschluss Die Pandemie zwingt Jugendlichen, Eltern und Lehrern besondere Bedingungen auf / Zeugnisausgabe auf Distanz

Abiturfeiern im Zeichen von Corona

Archivartikel

Mannheim.Es ist geschafft. Ein anstrengendes Schuljahr ist vorüber. Die Corona-Pandemie dürfte bei vielen Schülern einen bitteren Geschmack hinterlassen. So kann von Ungezwungenheit keine Rede sein, wenn junge Frauen und Männer nun die Schulen verlassen, sich von Lehrern und Freunden verabschieden.

Denn Furcht vor einer Infektion mit dem Virus und amtliche Abstandsregeln sorgen zumeist für einen distanzierten Abschied. Doch auch wenn der Schulchor nicht singt und innige Umarmungen fehlen, den Abschluss wollen die Schulen so würdig wie möglich gestalten, wie etwa Lars Hoffmann sagt. Der 44 Jahre alte Leiter der Konrad-Duden-Realschule und seine Kollegen hatten für vergangenen Freitag eine Abschlussfeier unter freiem Himmel organisiert. In die Hände hatte ihnen gespielt, dass die Schule auf der Rheinau eine großzügige Grünfläche zu bieten hat.

Notfalls in der Turnhalle

Dort konnten vier Abschlussklassen, fast 90 Schüler, feierlich verabschiedet werden. Für Schüler und ihre Eltern wurde jeweils eine Bierbank reserviert. In gebührendem Abstand zueinander konnte dann die letzte Zeugnis-Ausgabe vonstattengehen. „Man muss betonen, dass die Schüler in diesem Jahr unter schwierigen Bedingungen Einsatz gezeigt haben“, sagt Hoffmann. Daher sei eine offizielle Feier auch mehr als gerechtfertigt. Die Alternative wäre, den Schülern ihre Zeugnisse per Einschreiben zu senden. „Es würde sich falsch anfühlen, den Jugendlichen ihre Zeugnisse gewissermaßen unter der Tür durchzuschieben“, findet der Schulleiter.

Das sieht auch Harald Leber, Rektor an der Humboldt-Werkrealschule so. Der Schulleiter ist auch Sprecher der Realschulen und Werkrealschulen in der Stadt. Nicht alle Schulen hätten die Möglichkeit, ihre Abschlussfeier ins Grüne zu verlegen, sagt er. Stattdessen gehe es dann eben in die Turnhalle, den Schulhof oder in die Aula. In der Humboldt-Werkrealschule werden nun fünf Klassen – etwa 110 Schüler – in der Sporthalle verabschiedet. „Das ist bedeutsam und wird von den Jugendlichen auch ernst genommen“, betont er. Deutlich werde das schon am Dresscode. Die Mädchen kämen zu solchen Anlässen normalerweise in schönen Kleidern, die Jungen würden Anzüge tragen.

Die Pandemie zeigt auch den Gymnasien Grenzen auf. Wie Gerhard Weber, der Leiter des Moll-Gymnasiums sagt, mussten deshalb für die drei Abschlussfeiern am vergangenen Freitag zahlreiche Details – von der Anreise der Eltern bis hin zur erforderlichen Distanz zwischen Sitzplätzen – geplant werden. Einen Sektempfang habe man gar nicht erst erwogen, wohl aber eine musikalische Untermalung mit Klavier und Bratsche gab es. „Im großen Foyer unserer Schule ist das zum Glück möglich, wir möchten die Schüler natürlich gebührend verabschieden“, sagt Weber, der als Sprecher der Gymnasien in Mannheim auch einen Überblick über andere Veranstaltungen hat.

Die meisten Schulen hielten es ähnlich, das Feudenheim-Gymnasium etwa nutzte die Kulturhalle in dem Vorort. Eine Ausnahme ist das Johanna-Geissmar-Gymnasium auf der Schönau, dessen Abschlussfeier gibt es hier auf dem Carfestival-Gelände. Dort, auf dem Maimarktgelände wo in diesen Tagen normalerweise das Autokino eine sichere Bühne für Film- und Kulturveranstaltungen bietet, soll die Abiturfeier des Gymnasiums stattfinden. „Die Abstandsregeln können eingehalten werden, im Inneren des eigenen Wagens ist man geschützt“, sagt Lehrerin Sarah Uhl.

„Ziemlich gute Idee“

„Eine ziemlich gute Idee“, wie Stadtschülersprecher Dennis Klingenspohr findet. Der 18 Jahre alte Abiturient des Liselotte-Gymnasiums in der Schwetzingerstadt wird mit seinen Mitschülern demnächst auf dem Schulhof sein Zeugnis in Empfang nehmen. Immerhin, die Schulen machen, was sie können, ist er überzeugt. „Wir müssen eben damit leben“, sagt er.

Dabei seien viele Mitschüler traurig über den Abschied auf Distanz. „Schließlich werden ja einige Schulfreunde zum studieren in andere Städte ziehen. Wer weiß schon, wann man sich wieder sieht?“, gibt er zu bedenken. Auch für Eltern sei es eine schwierige Situation. Da alle Abschlussklassen gemeinsam im Schulhof feiern – die Schüler selbst hatten in diesem Sinne abgestimmt – darf nur ein Elternteil pro Schüler zur Feier am Liselotte-Gymnasium kommen. „Meine Eltern waren nicht begeistert“, sagt Klingenspor. Immerhin: die Feier soll per Live-Stream im Internet übertragen werden.

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