Mannheim

Schulen Auf dem Carstival-Gelände werden die 63 Abiturienten des Johanna-Geissmar-Gymnasiums mit Galamusik verabschiedet

Abiturienten auf großer Bühne

Bei brütender Hitze sind zahlreiche Lehrer, Eltern und Angehörige an diesem Abend auf das Maimarktgelände gekommen. Denn das Johanna-Geissmar-Gymnasium (JGG) verabschiedet die 63 Abiturienten des Jahrgangs. Dort, wo in diesen Tagen normalerweise das Autokino eine sichere Bühne für Film- und Kulturveranstaltungen bietet, steigt die Abiturfeier des Gymnasiums. „Die Abstandsregeln können eingehalten werden, im Inneren des eigenen Wagens ist man geschützt“, begründete die Schule die ungewöhnliche Wahl.

Begleitet von Applaus und Hupen nehmen die jungen Frauen und Männer zum letzten Mal also ein Zeugnis des Gymnasiums entgegen. Weil sich das vor der gigantischen Leinwand des dortigen Autokinos abspielt, beobachten Eltern und Familienangehörige ihre Lieben zumeist durch die Windschutzscheiben ihrer Fahrzeuge.

Applaus und Hupen

Manche Zuschauer sind ausgestiegen um zu hören, wie etwa Direktor, Roland Haaß, den Jugendlichen seinen Respekt zollt und Konrektor Tim Zenker an die Herausforderungen der Zukunft erinnert. Bei allen schulischen Erfolgen gebe es keine Biografie ohne Rückschläge, mahnt er. Dass auch die jungen Menschen auf der Bühne wüssten, dass im Leben reichlich Unwegsamkeiten lauern, liege nicht zuletzt an der grassierenden Pandemie. „Ihr habt gezeigt, dass ihr auch in der Krise bestehen könnt“, sagt der Konrektor, während ein Sportflugzeug dröhnend über das Maimarktgelände fliegt.

Der Stolz über seine Tochter ist Metin Polka deutlich anzusehen. Seine 18 Jahre alte Tochter Soraya hat das Abitur bestanden, die Zukunft ist verheißungsvoll. Daher sei der Rahmen auch angebracht, sagt der Vater freundlich lächelnd. Schließlich finde ein solches Ereignis nicht so oft im Leben statt. Wichtig aber sei auch, so Polka, dass die Veranstaltung nicht nur der Freude, sondern auch der Gesundheit diene. „Es ist schön, dass zum Beispiel Großeltern trotz Pandemie teilnehmen können. Hier können sie vom Auto aus den Kindern an ihrem großen Tag zuschauen“, sagt er.

Tatsächlich sieht man hinter den Autoscheiben etliche ältere Menschen – mithin die größte Risikogruppe in Sachen Covid-19 – , die das ungewöhnliche Treiben auf der großen Bühne mit Sicherheitsabstand verfolgen. Während die jungen Frauen in Abendkleidern über die Bühne schreiten und ihre Zeugnisse entgegennehmen, treten Mitschüler in Anzügen auf und lassen sich feiern. Die Zeugnisausgabe geht wie am Fließband über die Bühne und wird auf der riesigen Leinwand übertragen, wie die Siegerehrung bei einem großen Sportereignis. An den anderen Schulen fällt dieses Ritual in diesem Jahr aufgrund der Pandemie wesentlich schmaler aus. Das JGG setzt hingegen auf eine Dramaturgie, die eher an eine Oscar-Verleihung denken lässt. Nicht in jeder Schule kommt das gut an.

Leise Kritik

So gibt etwa Gerhard Weber, der Leiter des Moll-Gymnasiums, zu bedenken, dass eine Abiturfeier im Autokino womöglich auch soziale Unterschiede unterstreichen könnte. „Was machen beispielsweise Eltern, die kein Auto haben in einer solchen Situation?“, fragt er. Den Abiturienten wolle er aber nicht den Spaß am Feiern vermiesen. Gleichwohl sei in Zeiten großer sozialer Ungleichheit auch ein hohes Maß an Sensibilität erforderlich. Weber, der auch Sprecher der Mannheimer Gymnasien ist, hat für die abgespeckte Abiturfeier an seiner Schule das große Foyer ausgewählt. Hier sei es möglich, im korrekten Sicherheitsabstand zu feiern. Einen Sektempfang gebe es aus Gründen des Infektionsschutzes in diesem Jahr nicht, wie er sagt.

Dieser Makel ist am Montagabend auf dem Maimarktgelände jedenfalls nicht auszumachen. Manche Eltern nippen gemütlich an einem Glas Sekt hinter dem Steuer, andere haben Stullen mitgebracht, die sie während der Zeremonie essen. „Man sieht schon die sozialen Unterschiede“, sagt Dieter Ries nachdenklich. Der ältere Herr ist hier, um die 18 Jahre alte Paula zu feiern, die Enkelin seiner Lebensgefährtin.

Und die jungen Frauen und Männer um die es eigentlich geht? „Ich finde, dass es ein sehr gelungener Abend ist“, sagt etwa die 18 Jahre alte Alexandra Eul, die Medizin studieren möchte. Ihr gefällt es auf dem Maimarktgelände. Vor allem sei es besser, als im Schulhof zu sitzen. Wie Alexandra Eul, so ist auch die gleichaltrige Caroline Schmidt ganz gelöst.

Sicher, so sagt sie, die Corona-Zeit werde sie wohl auch in vielen Jahren noch mit der Zeit ihrer Abiturprüfung in Verbindung bringen. Gleichwohl wolle sie sich an diesem Abend davon nicht aus dem Tritt bringen lassen. „Ich bin heute trotz Corona glücklich“, sagt sie.

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