Mannheim

Universitätsmedizin Nach erfolgreicher Operation im Klinikum ist jetzt der Sprachprozessor im Ohr des Siebenjährigen aktiviert

Aldo aus Bolivien kann wieder hören

Aldo ist raus aus der Welt der Stille. Seit einer Woche hört der durch eine frühkindliche Hirnhautentzündung ertaubte bolivianische Junge, der in der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) eine elektronische Innenohrprothese eingesetzt bekommen hat (wir berichteten).

Sein Operateur war nun dabei, als der Siebenjährige nach Einheilen des Cochlea-Implantates in der Nachsorgeklinik Bosenberg einen Sprachprozessor bekam und dieser aktiviert wurde. „Er riss die Augen auf, die Anspannung wich aus seinem Gesicht – da wusste ich, dass Aldo Geräusche und Töne wahrnimmt“, schildert Jérôme Servais, Leiter des Hörzentrums an der HNO-Klinik der UMM, den bewegenden Augenblick, als der kleine Patient zum ersten Mal eine für ihn neue Dimension von Sinneseindrücken erlebte. Am Abend davor sei Aldo „sehr aufgeregt“ gewesen. Schließlich waren die letzten Wochen, so der Facharzt, auf den großen Moment der Sprachprozessor-Aktivierung ausgerichtet gewesen.

Noch ein „Geräuscheteppich“

Fast acht Stunden hatte einige Tage vor Weihnachten das Einsetzen des Hightech-Implantates im stark verknöcherten linken Ohr gedauert.

Noch gleicht Aldos Hören einem „Geräuscheteppich“, bei dem akustisch unterschiedliche „Schallmuster“ verschwimmen. Weil Aldo den Prozess des Spracherwerbs verpasst hat, steht er vor großen Trainings-Herausforderungen. „Später hätte das Implantat nicht eingesetzt werden dürfen“, sagt Servais. Er ist jedoch zuversichtlich, dass der lernbegierige Junge Wörter und Sätze erobern wird. Ein mitgereister Betreuer ist mit der Sprachprozessor-Technik und eventuell nötigen Nachjustierungen vertraut gemacht worden. Bevor der in einem Heim lebende Aldo wieder nach La Paz fliegt, wird ihn Servais nachuntersuchen. Persönliches Engagement mehrerer Akteure und Spenden haben ermöglicht, dass der Siebenjährige jetzt hört, was um ihn geschieht.

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