Mannheim

Alle Jahre wieder?

Oder um es mit dem Silvesterklassiker zu sagen, der in der Endlosschleife den ganzen Tag wiederholt wurde: The same procedure as last year? Dieselbe Prozedur wie das letzte Jahr? Manchmal könnte man es glauben: der Stress in der Adventszeit, das Baumschmücken, der Weihnachtsblues und der Beginn des neuen Jahres . . . . dasselbe wie in den vergangenen Jahren.

Aber was macht den Silvesterklassiker so lächerlich? Da feiert eine alte Dame ihren Geburtstag so, wie sie ihn vermutlich schon die letzten 60 Jahre gefeiert hat: mit ihren vier besten Freunden. Das Problem ist nur: Diese sind schon seit langer Zeit verstorben, so dass der arme Butler deren Rollen übernehmen muss. Alles muss so bleiben, wie es schon immer war. Auch das Tigerfell darf nicht verrutscht werden. Aber das Fell liegt dort sicher schon seit Jahrzehnten – wahrscheinlich schon, als der Tiger, dem es einmal gehörte, noch durch Indien streifte. Wir amüsieren uns über dieses Theaterstück, das die Unmöglichkeit zeigt, Altes, Vergangenes um jeden Preis am Leben zu erhalten.

Leben bedeutet Veränderung

Alle Jahre wieder – ja sicher, aber eben anders, weil wir anders geworden sind. Wir laufen nicht in den immer gleichen Fußspuren, die wir schon in den vergangenen Jahren ausgetreten haben. Das Leben bedeutet Veränderung und damit Wandel. Das Leben ist dynamisch, und wer dem nicht Rechnung trägt, der wird zur Karikatur, der lebt nicht, der erstarrt.

Weihnachten wird es auch dieses Jahr wieder werden, und Traditionen, die von einer Generation an die nächste weitergegeben werden, sind wichtig. Aber selbst, wenn wir es mit den alten und lieb gewonnenen Traditionen immer wieder feiern, wird es ein anderes Weihnachten sein als das, das wir gerade begingen.

Weihnachten hat die Botschaft, dass Gott in diese Welt gekommen ist. Sieht man sich die Evangelien an, bemerkt man, dass mit dieser Botschaft große Veränderungen im Leben der Betroffenen entstehen: Weihnachten setzt die Menschen in Bewegung: Maria macht sich nach der Botschaft des Engels auf den Weg zu ihrer Verwandten Elisabeth. Maria und Josef reisen Monate später von Nazareth nach Bethlehem. Die Weisen machen sich auf den Weg, den neugeborenen König zu huldigen und kehren dann – weil vom Engel Gottes so geboten – auf einem anderen Weg nach Hause zurück, um Jesus nicht dem König Herodes auszuliefern. Und aus diesem Grund fliehen Maria, Josef und Jesus nach Ägypten.

Gott mit uns

Weihnachten ist dynamisch. Es enthält die Botschaft, dass in jeder Veränderung Gott mit uns ist. Wer das annimmt und nicht im Althergebrachten erstarrt, der macht sich auf den Weg, immer im festen Vertrauen darauf, dass Gott mit uns geht.

Am 6. Januar begeht die Kirche das Fest „Epiphanie“. Das bedeutet: Gott lässt sich sehen – und zwar von der ganzen Welt, nicht nur einer kleinen Schar von Hirten draußen auf den Feldern von Bethlehem. Im Symbol der Weisen aus dem Osten wird deutlich, dass die Botschaft von Weihnachten den Weg in die Welt nimmt. Gott zeigt sich den Menschen im Immanuel, dem Gott mit uns.

In einem englischen Weihnachtslied lautet die Bitte in der 4. Strophe: Cast out our sin and enter in, be born in us today . . . our Lord Emmanuel. Tilge unsere Sünden, erfülle uns, sei heute in uns geboren . . . du Gott, der du mit uns bist.

Inge Reimann,

Katholische Schuldekanin, Mannheim